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Forsetzung der Geschichte

12

Die restliche Woche haben wir gemütlich in unserer Hütte verbracht, die Reise organisiert, Sport getrieben und noch ein paar unwichtige andere Dinge. Am Donnerstag Abend haben wir außerdem noch gepackt, jetzt ist es endlich Freitag Vormittag und wir wollen losfahren. „Okay, die Sachen aus dem Kühlschrank sind also alle aufgegessen, Getränke für die Fahrt haben wir, ich habe die Koffer ins Auto gepackt. Haben wir was vergessen?“, fragt Chase zum Schluss. „Nein, ich glaube nicht. Alle Geräte sind ausgesteckt, Lichter aus,... eben alles. Wir können aufbrechen, würde ich sagen.“ Er nickt und verlässt das Haus, vor der Tür wartet er aber bis ich draußen bin, dann schließt er noch ab.

Wir setzen uns in meinen BMW und fahren los. Diesmal lasse ich freiwillig ihn fahren, da ich in der Schweiz auf Grund der harten Strafen für zu schnelles Fahren nicht gerne am Steuer sitze. Aber Chase scheint das schon wieder nicht zu stören, er fährt die Landschaft um Gstaad mit über 100 km/h hinunter und knappe fünf Minuten später auf die Autobahn, wo er dank des Kick-Downs mit fast 200 km/h rast. Nach guten drei Stunden sind wir endlich an der Grenze zu Österreich, wo ich Chase frage, ob ich mal fahren darf. „Ja klar. Warum hast du eigentlich so Angst vor einer Radarstrafe?“ – „Warum?! Weißt du, wie teuer das ist?“ – „Ja schon, aber trotzdem.“ Er fährt bei einer Raststätte, dem Rosenberger bei Hohenems, einem scheinbar kleinen Kaff, aus. „Willst du einen Kaffee?“, frage ich ihn, als wir parken. „Ja. Und ich muss mal aufs WC. Holst du mir einen Latte?“ – „Sicher doch. Irgendwas zu Essen?“ – „Wenn du schon fragst. Bring einfach das gleiche, das du auch für dich nimmst.“ Ich nicke und gehe los. Die Raststätte ist irgendwie leicht schäbig, trotzdem nehme ich zwei Baguettes, beide mit so einem panierten Hühnerfleisch und einer orangen Sauce, ich tippe auf Cocktailsauce. An der Kassa bestelle ich noch den Latte für Chase und einen doppelten Espresso für mich. „12,20 bitte.“, gibt mir die Frau dort bekannt. Ich frage, ob ich mit Karte bezahlen kann, was sie bejaht und stecke das Ding kurz in den Kartenleser, dann gehe ich wieder. Beim Ausgang wartet schon Chase. „Hier, nimm bitte mal kurz. Ich muss auch noch aufs WC.“, ich gebe ihm das eben Gekaufte und renne in Richtung Toilette.

Wenige Minuten später komme ich wieder, wir setzen uns ins Auto, trinken ein paar Schlucke Kaffee, essen die Sandwiches und unterhalten uns ein wenig. „Schmeckt das dir etwa?“, frage ich meinen Mann, der das Brot nur so runterschlingt, das ich extrem ungenießbar finde. „Nein, aber ich verhungere bald. Da ist es mir eigentlich egal, wie das Zeug schmeckt.“ – „Komm schon. Wirf das Teil weg und wir fahren irgendwo zu einem guten Restaurant.“ Er stimmt mir zu, steigt aus dem Auto und wirft die Brötchen weg. Den Kaffee probiert er im Gehen, dann kommt er noch einmal zurück, nimmt auch meinen und geht noch einmal zum Mülleimer.
Jetzt steigt er wieder ein und ich drehe den Schlüssel um. Mit Vollgas fahre ich runter von dem Parkplatz, wieder auf die Autobahn in Richtung Deutschland. Der Tachometer steigt in der Zwischenzeit bereits auf 190 km/h, das Deck ist unten und meine Haare flattern nur so im Wind.

Mittlerweile sind wir schon hinter Memmingen im Allgäu, immer noch viel zu schnell fahrend. Doch ich sehe gerade auf der rechten Seite eine wirklich gute deutsche Raststättenkette, „Serways“. „Wollen wir da hin gehen? Ich kenn die, sind wirklich gut.“, überzeuge ich Chase und fahre auf den Parkplatz. „Und was gibt es da eigentlich so?“, fragt er während wir zum Eingang laufen. „Och, alles mögliche. Zum Beispiel einen Fischstand, Nudeln, Coffeeshop, Kuchen...“ Als er das Wort Fisch gehört hat, sind seine Wundwinkel plötzlich ganz weit nach oben gegangen. „Ja, ich mag auch Fisch. Bringst du mir irgend so ein Fischbrötchen oder sonst Fish’n’Chips mit? Dann hole ich in der Zwischenzeit Kaffee.“, schlage ich vor. Chase nickt und weist mich darauf hin, dass er einen Cappucino möchte. Also gehe ich auf die rechte Seite, zum Coffeeshop, und bestelle einen doppelten Espresso und Chases Cappucino.

Ungefähr fünf Minuten später steht Chase wieder neben mir, mit einem Backfischbrötchen und frittierten Garnelen in der Hand. „Welche willst du haben?“, fragt er mich. Da ich beides wirklich gerne mag, fällt mir die Entscheidung eigentlich echt schwer. Trotzdem entscheide ich mich für die Garnelen, da es auf der Wiesn ja auch solche belegten Brötchen gibt. Wir setzen uns zu einem kleinen Tischchen und essen das eben Gebrachte. „Ja, du hast Recht. Die sind wirklich viel besser, als dieses komische Zeug von vorhin!“, klingt er wirklich überzeugt. Ich esse gerade meine letzte Garnele, dann lehne ich mich an seine Schulter. „Bist du müde?“, stellt er fest. „Mh. Ja, schon irgendwie. Fährst du?“ – „Klar. Willst du dich auf die Rückbank legen und das Deck hinauftun? Dann kannst du ein wenig schlafen.“ – „Das wäre super!“ – „Gut. Ich mach das schon. Bringst du die Kaffees mit? Dann erledige ich das in der Zwischenzeit.“ Ich nicke, Chase steht jetzt auf und geht zur Tür hinaus. Kurz danach stehe auch ich auf und laufe ganz langsam hinterher, die Pappbecher in der Hand und an meinem nippend. Als ich beim Auto ankomme, ich das Deck schon oben und ich kann mich bequem auf die auch schon beheizte Rückbank legen. Bevor ich mich aber hinlege, trinke ich noch die letzten paar Schlucke von meinem Kaffee. Da ich jetzt aber fertig bin, werfe ich ihn kurz aus dem Fenster in den Mülleimer, an dem wir schön langsam vorbei fahren, dann lege ich mich hin und schlafe schon nach nur wenigen Minuten ein.

„...Svenja? Aufwachen Schatz! Wir sind da.“, ertönt es von oben. Ich mache die Augen ganz langsam auf und das Erste, was ich sehe, ist Chase. „Schön. Soll ich dir noch helfen beim Koffer tragen?“ – „Du hast wirklich tief geschlafen! Das habe ich alles schon erledigt, ich habe auch schon eingecheckt. Du brauchst nur mit ins Zimmer zu kommen.“ Ich kann nicht anders, als zu grinsen, stehe endlich auf und komme mit. Verschwommen nehme ich das Ganze zwar noch wahr, aber der luxuriöse Eindruck, den dieses Hotel macht, ist wirklich erstaunlich! Ich werde von Chase hinauf in den obersten Stock, den neunten, geführt. Hier muss man sogar eine Zimmerkarte durch den Schlitz ziehen, um den Lift zu verwenden, ein Aspekt, den ich an solchen Hotels wirklich schätze. Oben angekommen stehen wir von einem eher kleinen Flur, nur links und rechts gibt es eine Tür. „Wieso gibt es hier bitte so wenig Zimmer?“, erkunde ich mich bei Chase. „Tja, ein Penthouse braucht nun mal etwas mehr Platz, als ein normales Zimmer...“

Ich betrete das Zimmer und komme nicht mehr aus dem Staunen heraus! Wir stehen in einem Raum mit Marmorboden, es gibt sogar eine richtige kleine Bar. Weiter rechts finde ich ein wunderschönes großes Sofa vor, weiter vorne steht ein LCD-Flachbild-Fernseher. Dann geht es noch weiter nach rechts und wir betreten das Schlafzimmer, ein riesiger Raum mit schönem großem Schrank. Gleich daneben steht ein tolles Himmelbett mit wirklich weicher Matratze. Dann scheint es noch weiter zu gehen, das Bad fehlt noch. Genau diesen Teil des Penthouses betrete ich nun. Auch hier ist wunderschöner Marmorboden vorzufinden, eine riesige Badewanne, und ein toller großer Spiegel. Aus diesem Zimmer würde ich wirklich nicht mehr freiwillig gehen. „Okay, so wundervoll dieses Zimmer auch ist und so müde ich jetzt auch bin – wir müssen noch zu Angermaier, ich brauche dringend ein pinkes, kurzes Dirndl. Und du eine Lederhose!“ Mit diesen Worten zerre ich ihn aus dem Zimmer, zurück in den Lift.

Wenige Minuten später stehen wir vor dem Laden und gehen hinein. Schon auf den ersten Blick finde ich mein Traumkleid: ein knallpinkes Kleid, kombiniert mit schwarz, außerdem mit tollen Stickereien und Brillianten darauf. Jetzt muss es wirklich nur noch passen! Ich probiere es an, und wirklich: Es passt. „Toll, ich habe mein Kleid gefunden. Wie sieht’s mit dir aus?“, frage ich meinen Mann. „Ja, ich habe auch was.“ Er hat sich in der Zwischenzeit für eine ziemlich traditionelle, knielange Lederhose entschieden, passend mit einem rot-weiß-karierten Hemd und passenden Schuhen. „Ja, ich bräuchte dann auch noch Schuhe, die passende Unterwäsche und Strümpfe. Was haben Sie da Schönes?“, erkundige ich mich bei der zuvorkommenden Verkäuferin.

Einen Moment später habe ich schon einen passenden pinken Balconette-BH und den dazugehörenden String in der Hand, außerdem Stiefel in dem gleichen Farbton, wie auch das Kleid und ganz normale, hautfarbene Stay-Ups mit Strapsen dazu. Die kaufe ich auch noch dazu, jetzt ist mein Wiesn-Outfit perfekt. Ich nehme die Tüte, Chase bezahlt in der Zwischenzeit mit seiner Kreditkarte die nicht gerade kleine Rechnung und wir fahren im BMW zurück ins Hotel. „Sollen wir eigentlich nicht noch etwas in einem Zelt reservieren?“, frage ich Chase während der Rückfahrt. „Ja, gute Idee. In was für ein Zelt würdest du gerne?“ – „Welches sind die Besten? Oder gibt es da gar keinen Unterschied?“ – „Nun ja, im Käfer und im Hippodrom sind immer viele Prominente, und die haben auch eher hohe Eintrittspreise. Der Käfer ist halt etwas kleiner, während das Hippodrom das größte Zelt auf dem ganzen Oktoberfest ist. Welches ist dir lieber?“ – „Irgendwie das Hippodrom. Da kann man sicher gut feiern.“ – „Gut. Ich reserviere dann im Hotel. Eher auf Nachmittag, oder? Oder willst du einen Tag lang nur Achterbahn fahren und am anderen nur saufen?“ – „Nein, wir fahren immer zuerst Achterbahn, dann geht’s ans Saufen!“, schlage ich vor. Er scheint damit einverstanden zu sein, sonst hätte er sicher etwas dagegen gesagt.

Zurück im Hotel betätigt Chase gerade den Anruf im Hippodrom und reserviert uns für Samstag einen Platz im Hippodrom, für Sonntag einen im Käfer. Scheinbar will er unbedingt in diese Schänke, er erzählt mir aber einfach nicht, wieso. „Ich leg mich ein wenig schlafen, weckst du mich so um 18 Uhr?“, bitte ich Chase. „Natürlich. Aber vorher noch eine kleine Frage: Wo sollen wir Abend essen gehen? Hier im Hotel oder irgendwo in einem Restaurant?“ – „Gehen wir hier im Hotel essen, die nächsten beiden Tage essen wir schließlich auf der Wiesn, da gibt’s nur noch Frühstück für uns hier.“ – „Okay, ist gut. Schöne Träume!“, antwortet er und gibt mir einen Küss auf die Stirn, dann schlafe ich wieder einmal ein.

Es ist mittlerweile 18 Uhr und ich werde soeben von Chase geweckt. „Aufwachen, Schatz. Du wolltest doch Abendessen gehen?“, ertönt es links von mir. Ich schlage die Augen auf, bleibe noch kurz liegen und stehe dann auf. „Ziehst du eher etwas schickes an? Ich hoffe doch, oder?“, erkundige ich mich bei ihm. „Natürlich. Ohne Abendkleidung kommt man hier gar nicht in den Speisesaal. Außer natürlich zum Frühstück.“, erhalte ich als Antwort. Ich gehe ins Badezimmer, mache mich frisch, stecke mir meine etwas verlegenen Haare hoch, damit ich sie nicht glätten muss und sprühe Parfum darauf. Nach einer knappen halben Stunde komme ich wieder aus dem Raum, aber immer noch im Bademantel. „Ach, ich weiß einfach nicht, was ich tragen soll.“, meckere ich, als ich vor meinem wirklich gut gefüllten Kleiderschrank stehe. „Warum trägst du nicht das schwarz-weiße von Chanel und nimmst dazu einfach pinke Accessoires?“ – „Super! Du hast mir mal wieder wirklich geholfen. Ohne dich würde ich wahrscheinlich noch Stundenlang hier stehen.“

Endlich sind wir beide fertig und gehen hinunter in den Speisesaal. Es ist wirklich so elegant, wie mir erzählt worden ist. Wir finden schnell einen Tisch und werden ebenso schnell von zwei Kellnern bedient. Wir bestellen eine Flasche guten Weißwein und dazu leckeren Fisch, der wirklich als frisch bezeichnet werden kann.

13

Endlich ist es Samstag Morgen, 6:00 Uhr. Ich stehe als erste auf, immerhin brauche ich auch lange genug im Bad. Zuerst gehe ich noch eine halbe Stunde joggen, damit sich das Fett nicht zu sehr ansetzt. Als ich wieder zurück ins Hotelzimmer komme, steige ich unter die Dusche, wo ich meinen Haaren eine Kur gönne. Danach schminke ich mich noch schön für das Oktoberfest und flechte mir zwei Zöpfe ins Haar. Dann schlüpfe ich in mein neues Dirndl, das mir heute sogar noch besser gefällt, als gestern. Chase ist in der Zwischenzeit auch schon fertig, jetzt gehen wir wieder runter in den Speisesaal, schon alles dabei und bereit für die Wiesn, nur das Frühstück fehlt noch. „Ich glaube, ich esse nur ein bisschen Obst. Irgendwie kriege ich so früh am Morgen nicht gerade viel runter.“, erwähne ich nebenbei im Lift. „Ich auch nicht. Sollen wir überhaupt frühstücken gehen oder schon gleich zur Theresienwiese?“ Ich stimme Chase voll und ganz zu, also gehen wir direkt aufs Oktoberfest. Wir laufen allerdings hin, noch ein bisschen mehr Fatburning. Außerdem sind es ja nur 20 Minuten und meine Stiefel sind wundervoll weich, obwohl sie einen 9 cm hohen Absatz haben. Um kurz vor 9 kommen wir endlich an, die Atmosphäre ist einfach wundervoll und es sind noch gar nicht so viele Leute da. „OK, welche Achterbahn fahren wir zuerst?“, frage ich. „Komm, wir haben genug Zeit um alle zu fahren. Machen wir heute.. was weiß ich, zum Beispiel alle echten Achterbahnen und Karusselle, morgen könnten wir dann diese High-Fly-Tower und Top-Spin und das ganze Zeugs machen.“, schlägt Chase vor. Ich bin der selben Meinung, also beginnen wir mit der Alpina Bahn, der scheinbar schnellsten Bahn auf der Wiesn, sogar mit Freier-Fall-Gefühle, da es eine Zeit lang fast 90° hinunter geht. Das Gefühl auf dieser Achterbahn ist einfach einzigartig, da versprechen die Fahrgeschäfte wirklich nicht zu viel!

Als nächstes geht es auf zur Höllenfahrt, die ich aber gar nicht so höllisch finde. Zwar dreht man sich und verliert durch die ganze Dunkelheit die Orientierung, aber man ist wirklich langsam und sie geht auch nicht so steil hinunter. Gleich danach fahren wir mit der Olympia Looping, einer wirklich genialen Achterbahn, sie hat fünf Loopings eingebaut, jeder in den Farben der Olympia-Ringe. Bei der wird mir wirklich ein wenig schwindlig, weil diese ganzen Drehungen so schnell hintereinander kommen. Die ganze Fahrt dauert ca. 3 Minuten, jetzt steigen wir aus. „Können wir uns kurz hinsetzen?“, frage ich Chase. – „Natürlich. Geht’s? Willst du was zu trinken?“ – „Danke, ich hab mir noch ein Wasser in die Tasche gesteckt im Hotel.“ Ich nehme kurz einen Schluck davon, dann stehe ich auch schon wieder auf und wir gehen weiter. Als drittes gehen wir zum Star Flyer, einem Karussell, bei dem man 55 Meter über München schwebt. Glücklicherweise können wir beide nebeneinander sitzen, diese Aussicht ist wirklich einzigartig, auch wenn es mir die Frisur leicht verweht. Leider ist auch diese Fahrt viel zu schnell wieder fertig, das waren auf keinen Fall mehr als zwei Minuten. „Sollen wir eigentlich diese Geisterbahnen überhaupt fahren? Ich finde die immer furchtbar langweilig“, schlage ich während dem Herunterfahren vor. Chase stimmt mir zu, jetzt holen wir uns glasierte Erdbeeren. Als wir zu dem Stand, an dem sie verkauft werden, laufen, begegnen wir drei Mädels, alle ungefähr 16, an die sich drei schmierige, ungepflegte Typen gehängt haben. „Hey, schau mal, Chase. Die Mädels dort drüben sehen auch nicht gerade glücklich aus über ihre Begleiter. Sollen wir da nicht etwas tun?“, frage ich ihn, da ich wirklich Mitleid mit den wirklich hübschen jungen Frauen habe. Die haben so etwas wirklich nicht verdient, besonders nicht die beiden Mädels im Partnerlook. Also gehe ich hin: „Hi. Endlich habe ich euch gefunden. Eure Freunde warten schon auf euch im Hippodrom und fragen, wann ihr endlich fertig seid.“ – „Ihr habt schon Freunde?!“, fragt der schmierige Typ, der sich an die Kleine, Brünette, scheinbar ebenfalls mit einem Pink-Tick geheftet hat. Sie starrt mich zuerst fassungslos an, kapiert aber schnell was ich damit bezwecken will und ergreift die Chance: „Oh ja, natürlich. Augustín, Paul und Beck! Tut uns wirklich leid, Jungs. Ciao!“ Entzückt über die Tatsache, dass sie Biermarken in Namen umgeformt hat, sage ich noch kurz: „Hey, also wenn euch solche schmierigen Typen wieder mal nerven, sagt ihnen einfach ins Gesicht, dass ihr sie hässlich findet. Die sind’s ganz bestimmt gewohnt.“ – „Danke. Tolles Dirndl übrigens!“, entgegnet mein kleiner Klon. Ich lächle, bedanke mich für das Kompliment und verabschiede mich. „Gut, das wäre geklärt. Gehen wir ins Hippodrom? Oder willst du zuerst noch woanders hin? Ich glaube, die Karusselle und Achterbahnen haben wir alle hinter uns.“ – „Ja, gehen wir auch etwas essen. Es ist ohnehin schon halb eins. Was hast du eigentlich zu den Typen gesagt?“ – „Nur, dass ihre Freunde im Hippodrom warten. Ich weiß auch nicht, warum das geklappt hat. Eigentlich wollte ich noch hinzufügen, dass nur noch die Leute, die reserviert haben, reinkommen.“ Chase beginnt zu lachen, kriegt sich aber nach wenigen Minuten wieder ein. Jetzt laufen wir ans andere Ende der Wiesn, in Richtung Hippodrom. „Gibt es da eigentlich auch was zu essen?“, erkundige ich mich. – „Da isst man wirklich gut. Ach, willst du dir eigentlich ein T-Shirt oder ein Maß-Krug kaufen?“ Er scheint mich loswerden zu wollen, aber ich bleibe hartnäckig: „Nein. Das mache ich erst am Abend, wenn wir nach Hause gehen. Denkst du im Ernst, ich will das Zeugs den halben Tag rumtragen?“

Endlich sind wir nach langem Drängeln im Hippodrom angekommen. Ich finde es wirklich erstaunlich, dass man hier so vorreservieren muss und trotzdem noch anstehen muss. Diese Schlange geht aber ziemlich schnell voran, nach drei Minuten sind wir drinnen an unserem Tisch. „Bringen Sie mir bitte die Speisekarte, und natürlich ein Maß Bier.“ Chase bestellt natürlich gas Gleiche. Als die Bedienung weg ist, drehe ich mich zu ihm um und erkundige mich: „Was ist ein typisches bayrisches Essen?“ – „Zum Beispiel Schweinsachsen, Backhendl, Bratwurst, ... Ich werde wahrscheinlich ein Backhendl nehmen.“

Endlich kommt das Maß, es ist Paulaner Bier, eines der starken. „Na dann, Prost!“ Wir bestellen auch noch das Essen, ich habe mich letztendlich für eine Bratwurst entschieden, da mir das andere nicht so wirklich zugesagt hat. Mein Essen kommt schon um einiges früher als das meines Mannes, es sieht aber wirklich lecker aus. Ich beiße hinein, es schmeckt sogar so gut, wie es aussieht. Die Bratwurst ist sogar einen ganzen Meter lang, aufgerollt, mit einem ebenfalls guten Baguette. In der Zwischenzeit ist auch Chases Hendl angekommen, das für ein solches Ding eigentlich auch ganz gut aussieht.

Nach zwei Speisen und insgesamt 7 Maß kippt mir Chase irgendwie vom Hocker, obwohl es erst 18 Uhr ist. „Hey, Schatz. Du wolltest doch sicher noch eine Brezel essen, oder?“, schüttle ich ihn, als ich ihm wieder auf die Beine helfe. Ich selbst bin noch gar nicht betrunken, ich spüre das viele Bier zwar ein wenig, aber denke und laufe noch ganz normal. Als ich sicher bin, dass er sicher sitzt, gehe ich zur Schänke und bestelle eine große Brezel.

Ich komme wieder zurück, Chase sitzt zum Glück noch dort, wo ich ihn abgesetzt habe. Ich setze mich auf meinen Teil der Bierbank und stopfe Chase das Gebäck in den Mund. „Mh. Bi-ffd duuh das, Sveen-ja?“, lallt er schließlich.

Zwei Stunden später, nach etwa zwei Liter Wasser und noch einer weiteren Brezel habe ich Chase endlich wieder einigermaßen nüchtern gekriegt. „Geht’s wieder?“, frage ich ihn. – „Ja, alles OK.“ Wir stehen auf und bezahlen den wirklich großen Betrag, ein Maß kostet schließlich 8€. „Komm, ich kaufe dir jetzt so ein Lebkuchenherz“, lächelt Chase mich an. Wir gehen zum nächsten Lebkuchen-Stand, an dem ich das allergrößte, eines für 30€ kriege. Ich bekomme es um den Hals gehängt, es ist jedenfalls ziemlich schwer. „Danke Schatz! Dafür kaufe ich uns jetzt noch Maß-Krüge und mir ein T-Shirt.“ Ich ziehe ihn zum nächstbesten Souvenir-Stand, wo ich 2 Maß-Gläser ordere und mir die Shirts ansehe. Letzten Endes entscheide ich mich für ein weißes im Ed Hardy-Syle, auf dem Oktoberfest 2008 steht. Es sieht wirklich süß aus.

Doch nach einem so langem Tag beschließen wir, uns endlich ein Taxi zurück ins Hotel zu nehmen. Wir gehen zum Taxi-Stand, wo wir schnell eines finden: „Zum 4 Seasons, bitte.“, erkläre ich dem Taxifahrer, der uns auf sehr direktem Wege dort hin bringt. Die Fahrt kostet dennoch wegen dem Nachtaufschlag 12€. Chase, der immer noch zu betrunken ist, um irgend etwas gescheit zu machen, will dem Taxifahrer seine American Express hinhalten. Ich nehme sie ihm aber aus der Hand und gebe dem Taxifahrer 13€ und schleppe Chase hinter mir ins Zimmer. „Jetzt reiß dich doch mal zusammen. Du hattest weniger Bier als ich. Ich tue doch auch nicht so besoffen!“, ermahne ich ihn vor dem Eingang noch einmal. Mit viel Mühe bringe ich ihn schließlich heil in den Lift und von dort aus sogar noch ins Zimmer.

Der nächste Morgen. Chase schläft noch, als ich um sieben Uhr aufstehe und joggen gehe. Um acht Uhr bin ich wieder da, er schläft aber immer noch. Ich denke mir nichts dabei und gehe duschen, schließlich will ich ja auch am zweiten Tag auf dem Oktoberfest toll aussehen. Während ich mir meine Haare wasche, überlege ich mir schon einmal was ich für eine Frisur machen könnte. Als ich fertig bin mit duschen, weiß ich auch schön die Lösung: ich glätte mir einfach die Haare.

Fast eine Stunde später bin ich eigentlich schon fertig, ich muss mich nur noch anziehen und Chase wecken. Ich beuge mich über ihn: „Hey, aufwachen, es ist schon 9:15 Uhr. Du willst doch nicht den ganzen Tag hier im Zimmer liegen?“ Langsam schlägt er die Augen auf: „So spät ist es schon?! Wow, heute trinke ich bestimmt nicht mehr so viel!“ – „Das war im Prinzip nicht so viel, du verträgst nur nichts.“ – „Doch, sicher. Du verträgst zu viel, wie machst du das bloß?“ Ich zucke mit den Achseln, da ich keine Ahnung habe.

Mittlerweile ist es 10 Uhr und wir laufen wieder in Richtung Theresienwiese. „Haltest du das schon aus, wegen den ganzen Sachen? Wir wollten die Bahnen fahren, in denen man richtig durchgeschüttelt wird?“, erkundige ich mich etwas besorgt. – „Doch, es geht schon. Wirklich. Aber ich brauche zuerst etwas zu essen.“, antwortet er mir, während er einen großen Schluck Wasser aus seiner Flasche nimmt. Ich habe meine 1-Liter-Flasche schon leer getrunken, deshalb habe ich leider keine mehr in der Hand.

Endlich sind wir da, als erstes müssen wir aber noch ein Frühstück für Chase organisieren. „Du würdest dir gut daran tun, etwas fettiges zu essen, das nimmt den Alkoholgehalt aus dem Blut“, weise ich ihn hin. – „Und was?“, fragt er mich. – „Nun ja... ich glaube da hinten in der Stadt habe ich gestern mal einen Starbucks gesehen. Die haben doch Muffins und Donuts. Kauf dir doch so was.“ Er nickt und wir machen uns auf den Weg zum Coffeeshop. Tatsächlich, bereits nach zwei Minuten stehen wir davor. Ich gehe vor und bestelle auch gleich für uns beide: „Zwei Karamell-Latte bitte und dann noch drei Muffins.“, in der Zwischenzeit hole ich meine Karte raus, da man auf der Wiesn nur mit Bargeld zahlen kann, muss ich sonst schauen, dass ich möglichst viel mit meiner Kreditkarte bezahlen kann. Ich stecke sie rein, unterschreibe noch schnell und nehme die Sachen mit zu dem Tisch, an den sich Chase mittlerweile gesetzt hat. „Ich hab dir schon gleich zwei Muffins genommen, je mehr Fett und Zucker in dein Blut kommen, desto besser.“ – „Danke“, er nimmt einen großen Schluck von seinem Latte.

Endlich kommen wir wirklich auf der Theresienwiese an, immerhin mit einer halben Stunde Verspätung, dafür aber mit gut gefülltem Magen. Endlich steigen wir in den Top-Spin ein, eines der brutalsten Fahrgeschäfte auf der Wiesn. „Na dann, viel Spaß.“, lache ich. Chase rollt nur mit den Augen, aber es scheint ihm wirklich besser zu gehen, als heute morgen.

Wir beginnen, zu fahren, schon wenige Sekunden später schüttelt es uns nur so durch, ich weiß nicht mehr, wo oben oder unten ist! Innerhalb von einer halben Minute machen wir bestimmt sieben oder acht Saltos, plötzlich hängen wir in der Luft, die vordersten beiden Reihen werden mit Wasserfontänen vollgespritzt, zum Glück trifft es mich gerade nicht, scheinbar hat Chase aber weniger Glück als ich.

Als wir wieder draußen sind, grinse ich nur: „Du bist ja ordentlich nass im Gesicht geworden! War es wenigstens erfrischend?“ – „Erfrischend auf jeden Fall, aber meine Haare sind auch nass geworden.“ – „Ach, die trocknen wieder.“ In dem Moment gehen wir auch schon weiter zur nächsten Attraktion.

Danach fahren wir auch noch die anderen Attraktionen, die wir gestern noch nicht geschafft haben, dann geht’s weiter in Käfer’s Wiesn-Schänke, wo wir uns ein Bier und Hendl bestellen. „Die musst du einfach probieren. Bitte, tu es für mich. Wenn es dir nicht schmeckt, kannst du ja immer noch was anderes bestellen“, hat Chase mich angebettelt. Also habe ich ihm wohl oder übel den Gefallen getan.

Endlich ist unser Essen da, tatsächlich, diese Backhendl, von denen immer gesprochen wird, sind besser, als ich gedacht hätte. Auch das Bier im Käfer schmeckt ganz anders, irgendwie tropischer. „Welches Bier ist das, und welches war das gestern?“, frage ich Chase. – „Nun, das gestern war die Oktoberfestausgabe vom Augustiner, und das heute ist die Oktoberfestausgabe von Paulaner. Ich fand ja das gestern besser.“ – „Warum? War da weniger Alkohol drinnen?“ Ich lache, dann esse ich in Ruhe weiter.

Auch heute trinken wir wieder unsere 6 Maß, Chase scheint sie fast noch schlechter zu vertragen, als gestern, was ich irgendwie nicht verstehen kann, denn ich bin immer noch ziemlich nüchtern. Wieder einmal zahle ich die Rechnung, die noch höher ist als am Vortag, immerhin ist es ja der Käfer, wird mir vom Nebentisch her erzählt, dann nehme ich Chase und wir laufen wieder zum Taxi, dieses mal ist es aber erst 10 Uhr am Abend.

Im Hotel angekommen packe ich schon einmal das nötigste ein, immerhin fliegen wir ja morgen wieder ab. „Schatz, bevor du einschläfst, was willst du morgen anziehen?“, erkundige ich mich, allerdings ohne eine Antwort zu kriegen, er ist schon eingeschlafen. Also lasse ich ihm eben eine Jeans und ein Hemd im Schrank, dazu seine typischen Designerschuhe, mir lasse ich meinen schwarzen Pencil-Skirt und dazu eine pinke Bluse im Schrank hängen, natürlich mit schwarzen Ankle-Boots. Dann gehe auch ich ins Bett.

14

Wir sind im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen München, das Auto musste ich ja abgeben, damit es nach Amerika geschifft wird. Ich habe immer noch nichts gefrühstückt, ebenso wenig Chase. „Gibt es eigentlich hier am Flughafen einen guten Imbiss oder sonst etwas?“, möchte ich von ihm wissen. „Na ja, ich selbst bin noch nie von München weg geflogen. Aber ich habe gehört, es soll eine super Döner-Bude und ein gutes bayrisches Haus mit scheinbar leckeren Snacks geben.“ – „Wenigstens das. Kann man da eigentlich auch gut shoppen? So Duty-Free und so? Ich brauche nämlich dringend ein neues Parfum.“ – „Das kann man an jedem Flughafen.“, beruhigt er mich, danach liege ich die restliche Fahrt über schweigend in seinen Armen.

Am Flughafen angekommen checken wir gleich ein, an der First-Class-Schlange sind wir sogar die ersten, wir müssen also gar nicht warten. „Also, das waren echt die wunderschönsten 2 Wochen, die ich je erlebt habe. Danke, Schatz“, flüstere ich ihm nach dem Einchecken ins Ohr. Er lächelt mir zu und wir gehen nach hinten in den Sicherheitsbereich. „Also, wir haben jetzt noch knappe zwei Stunden bis zum Boarding.“, erklärt er mir: „Wollen wir zuerst etwas essen gehen, danach können wir shoppen?“, fragt er mich. – „Warum machen wir es nicht umgekehrt?“ – „Auch gut. Also, zuerst in die Parfümerie? Dann kaufe ich noch Scotch und Zigarren.“ Ich kann einfach nicht anders, als zu lachen, immerhin weiß ich ja, dass Chase nicht gerade viel Alkohol verträgt. Aber ich lasse ihm die Freude an seinem Scotch.

In der Parfümerie angekommen gehe ich gleich zur Lancôme-Ecke, wo ich mir das neue Parfum kaufen will, das Magnifique. Zuerst probiere ich es aus, es riecht wirklich lecker, also kaufe ich mir das 50-ml-Eau de Parfum, dann brauche ich auch noch eine neue Gesichtscreme. Da vertraue ich schon lange auf die Aquamilk von Lancaster. Es erstaunt mich zwar nicht, dass das Zeugs hier günstiger ist als in normalen Läden, aber ich hätte mir wirklich nicht träumen lassen, dass es soviel günstiger ist. Als ich alles im Körbchen habe, das ich brauche, inklusive einem neuen pinken Lippenstift und einem Mascara von Chanel, gehe ich mit Chase zusammen seine Zigarren kaufen, die will ich immerhin mitrauchen, und auch beim Scotch will ich mitbestimmen. „Sollen wir diese kubanischen nehmen, oder die aus Mexiko?“, er überlässt wirklich mir die Entscheidung. Ich packe die kubanischen in unseren Korb, der in der Zwischenzeit recht gefüllt ist, den Scotch haben wir schnell gefunden, da wir beide schon einen Gemeinsamen haben. Bei der Kassa bezahlen wir noch, dann gehen wir in Richtung Restaurants. „Auf was hast du eigentlich Lust?“, fragt er mich zuvorkommend. – „Wie wäre es vielleicht mit der Dönerbude, von der du geredet hast? Bayrisches Essen hatten wir ja in der letzten Zeit genügend.“ Er stimmt mir zu, also biegen wir links ab und kommen zu einem Teil, der die Bude darstellen soll. „OK, was isst du? Ich finde die Auswahl immer so groß“, meine ich noch bevor wir hineingehen. – „Ich glaube, ich werde einen ganz normalen Döner nehmen.“, erwidert Chase. Also gehen wir hinein, er bestellt zuerst, dann bestelle ich: „Einen normalen, scharfen Döner, ohne Zwiebeln und einen Pide. Den linken da bitte.“

Ich werde von allen Seiten angestarrt, mit meinem vielen Essen in der Hand, als wir hinausgehen. „Du willst das jetzt aber nicht wirklich alles essen?“, wundert sich ebenfalls Chase, der das eigentlich gewohnt sein sollte. Ich nicke aber und esse zuerst meinen Döner weiter. „Wann geht eigentlich der Flug?“ – „Oh, verdammt. Wir müssen ja in 10 Minuten ins Flugzug. Komm, den Pide kannst du ja auch drinnen fertig essen!“ – „Drinnen? Nein, ganz bestimmt nicht. Die Economy-Class boardet doch sowieso zuerst. Oder hast du die Zeit schon miteinbezogen?“ – „Ja, eben. Die sind schon dran. Also iss!“ Ich verdrehe die Augen, laufe aber gemeinsam mit ihm in Richtung First-Class-Gate. Schon auf dem halben Weg dort hin habe ich es glücklicherweise geschafft, meinen Döner fertig zu essen, jetzt folgt noch das andere Brötchen. „Das ist jetzt nicht wirklich dein Ernst? Dann hast du ja im Flugzeug keinen Hunger mehr, wenn es das leckere Essen gibt?“ – „Doch, sicher“, schmatze ich: „der ist ja nicht so groß. Und das Essen wird sowieso erst später serviert.“ Doch in diesem Moment klingelt mein Handy. „Hier, nimm mal“, ich drücke Chase mein Essen in die Hand und hole das kleine, nervige Ding aus meiner Tasche. Ich habe gerade eine SMS gekriegt, die lese ich noch schnell. Sie ist von Greg, was mich sehr wundert: „Hi Svenja. Ich weiß, du bist wahrscheinlich noch mit deinem Ehemann in den Flitterwochen. Ich will euch auch nicht stören, ihr solltet aber beide wissen, dass Wilson sich wegen dir so betrunken hat, dass man ihm den Magen auspumpen musste. Er hat eine Alkoholvergiftung und liegt jetzt nur wegen dir im PPTH. Greg.“ – „Da, lies mal!“, fordere ich Chase auf und esse meinen Pide fertig. Er hat es in der Zwischenzeit auch gelesen und sieht mich schockiert an: „Eine Alkoholvergiftung?!“ Ich nicke, dann schalte ich mein Handy aus und wir steigen ins Flugzeug.

Als ich meinen Platz im Flugzeug einnehme, muss ich unweigerlich an Wilson denken, warum er sich das wohl genau angetan hat. Er tut mir wirklich leid, schon alleine, weil ich ihn auf eine so gemeine Art verlassen habe. Chase sieht mir die Schulgefühle natürlich an: „Svenja, komm schon. Reg dich doch nicht so auf, du kannst nichts dafür. Außerdem hätte House auch ein wenig besser aufpassen können, er ist ja nicht gerade der fürsorglichste Freund.“ Ich schaue ihn an, lasse leicht den Kopf auf und ab schwenken, als Zeichen der Zustimmung, und lasse mich in seine Arme sinken. Ganz ohne es zu wollen schlafe ich schon bevor wir überhaupt auf die Rollbahn kommen ein.

Es war ein kalter Samstagabend, House stand vor Wilsons Krankenbett, sein Freund war immer noch ohnmächtig, er war sich natürlich keiner Schuld bewusst, trotzdem fühlte er irgendwie ein Gefühl das er noch nie gefühlt hatte. „Mitgefühl“, hatte Cuddy ihm erklärt, woraufhin er eine abwertende Handbewegung gemacht hatte. Trotzdem wünschte House sich in diesem Moment nichts mehr, als dass Wilson aufwachte und ihm ins Gesicht sagen könnte, dass er ihn nie wieder so erschrecken würde. Aber wider jeglicher Erwartungen blieb Wilson für diesen Abend noch stumm, die Ärzte begannen sich langsam zu fragen, ob er vielleicht in ein Wachkoma gefallen war. „Aber das würden doch die Werte bestätigen“, argumentierte House dagegen, so gut es ging. Fast schon stieg ihm eine Träne in die Augen, schon lange hatte er sich nicht mehr so elend gefühlt, nicht einmal damals, als er seinen Vicodin-Entzug machen musste, was natürlich kein Vergleich zu dieser Situation war.

10 Stunden später, um etwa 23 Uhr in der Nacht, kommen wir am New Jersey Airport an, ich kann kaum glauben, als ich von Chase geweckt werde, dass ich wirklich die ganze Flugzeit über geschlafen habe und das Essen gerade auch noch verpasst habe. Müde und zerknittert steige ich aus dem Flieger und bewege mich neben meinem Mann in Richtung Förderband, um unsere vielen Koffer zu holen.

Ich setze mich schon einmal mit dem ganzen Handgepäck auf eine kleine Bank in der Nähe, während Chase das Gepäck, das erstaunlicherweise Alles zusammen als Erstes ankommt, holt. Geschätzte zwei Minuten später steht er vor mir, bereit, ein Taxi zu nehmen und zurück in die Wohnung zu fahren. Genau da fällt mir ein, dass alle meine Sachen noch bei Wilson zu Hause liegen. Durch die überraschende Wendung bei der Hochzeit hatte ich keine Gelegenheit, um meine Sachen zu holen. „Und was machen wir jetzt?“, frage ich Chase. – „Ich weiß nicht, hast du vielleicht noch einen Schlüssel?“ – „Ja, sicher. Aber erscheint das nicht ziemlich taktlos, wenn ich in der Zeit, in der er im Krankenhaus liegt, einfach alle meine Sachen hole?“ – „Nein, dafür kannst du doch nichts. Und ihn wird, wenn er wieder zurück kommt, nichts mehr so sehr an dich erinnern.“ Ich stimme ihm zu und wir fahren zuerst in Chases Wohnung, wo wir unser Reisegepäck abladen und fahren dann mit seinem Auto, einem schwarzen Mercedes SL55, weiter zu Wilsons Wohnung fahren. Dort angekommen steige ich langsam aus dem Wagen aus, schon in der Erwartung, gleich an alte Zeiten erinnert zu werden.

In der Zwischenzeit bin ich in Wilsons Wohnung, in der Tat werde ich etwas an die Zeiten, in denen ich noch mit ihm zusammen war erinnert, doch es ist nicht annähernd so schlimm als ich erwartet hatte. „Kannst du vielleicht meine Kleidung einpacken?“, frage ich Chase. „Warum?“, will er zuerst wissen. – „Na ja, ich muss noch genügend andere Sachen einpacken. Und bei Kleidung kann man am leichtesten erkennen, was mir gehört und was nicht.“ Er scheint einverstanden zu sein, denn er nimmt den leeren Koffer und geht ins Schlafzimmer, von dem aus er in den kleinen begehbaren Kleiderschrank kommt. Ich packe jetzt die ganzen anderen Sachen, wie CDs, DVDs, Geräte, etc. ein.

Als sowohl Chase als auch ich fertig sind, gehen wir wieder zu seinem Auto, wo wir das Ganze notgedrungen hinein kriegen. „Hast du eigentlich Hunger?“, will er wissen. „Ja, schon ein Bisschen. Aber du hast doch bestimmt nichts zu Hause und wo soll man mitten in der Nacht etwas zu essen herkriegen?“ – „Tja, da hast du recht. Zumindest was den ersten Punkt betrifft.“ Ich schaue ihn verwundert an, er fährt fort: „Ich kenne ein kleines Restaurant hier in der Nähe. Der Besitzer davon, der auch gleichzeitig der Koch ist, schuldet mir noch etwas. Wir könnten dahin gehen und eine Pizza essen.“ Selbstverständlich bin ich mit etwas zu Essen zufrieden, also fahren wir zu diesem Restaurant, ich am Steuer, während Chase seinen Kumpel anruft.

Wir haben gerade bestellt, Chase ein Risotto mit Meeresfrüchten, ich Nudeln mit Krabben. Zu allem Glück hat man uns auch romantische Musik zur Verfügung gestellt. Jetzt ergreift Chase meine Hand und streichelt sie: „Ich weiß nicht, wann ich das dir das letzte Mal gesagt habe, nach all dem Bier auf der Wiesn, aber: Ich liebe dich mehr als alles Andere.“ Natürlich freue ich mich darüber, dennoch kann ich nicht anders als über Wilson, der noch immer im Koma liegt, nachzudenken. „Hey, ich muss mal telefonieren. Bitte entschuldige mich.“, erkläre ich Chase und gehe raus vor die Tür.

In mein Handy gebe ich die Nummer von House ein. Nach kurzem Läuten nimmt er ab: „Ja?“ – „Hey, ich bin’s, Svenja. Wie geht es Wilson?“ – „Er ist immer noch komatös. Was willst du eigentlich?“ – „... nur wissen, wie es ihm geht. Warum hat er das getan?“ – „Komm schon, das kannst du dir doch vorstellen.“ – „Nein! Verdammt, jetzt sag schon Konkreteres!“ – „Tja, er hat es nun mal nicht ausgehalten ohne dich. Ein paar Tage lang hat er mit mir gemeinsam gesoffen, Whiskey, Scotch und so. Aber dann, irgendwann, hat er, als ich nur mal kurz Pizza holen gegangen bin, scheinbar so viel getrunken, dass er ohnmächtig geworden ist. Ich hab ihn natürlich ins Krankenhaus gebracht, doch das hat nichts mehr genützt.“ – „Geht es ihm schon ein wenig besser?“ – „Nein!“ Wir schweigen uns an, ungefähr eine Minute lang, doch dann ergreift House wieder die Initiative: „Was hat er dir eigentlich getan, dass du ihm so etwas angetan hast? Und vor allem: Was habe ich dir getan, dass du mich verlassen hast?“ – „Ihr habt mir beide nichts getan, wirklich. Aber ich habe für euch beide einfach nicht so empfunden, wie für ihn. Es tut mir wirklich leid, aber ich kann einfach nicht mehr tun, als mich zu entschuldigen.“ – „Ja. Willst du sonst noch was wissen?“ – „Nein, ich denke nicht. Bitte sag ihm, dass es mir leid tut. Ich werde morgen vorbeischauen, aber falls er vorher aufwacht...“, ich fange an, mir ernsthaft Gedanken über die Aktion, die ich bei der Hochzeit veranstaltet habe, zu machen, „...bitte sag ihm, wie Leid es mir tut.“ – „Gut. Man sieht sich.“ Ich lege auf, warte noch kurz, um mich wieder zu sammeln, dann gehe ich wieder rein zu Chase: „Ich wollte nur kurz hören, wie es Wilson geht. Es scheint ja meine Schuld zu sein, dass es ihm so ergangen ist.“ Er nickt, doch genau in diesem Moment kommt schon unser Essen, eigentlich genau im richtigen Moment. Es sieht schon so lecker aus, doch es schmeckt noch besser, als es aussieht.

15

Wir sind schon auf dem Heimweg, da klingelt mein Telefon, das ich auch gleich abnehme: „Hey, ich bin’s. Greg. Ich wollte dir nur sagen: Wilson ist aufgewacht, vielleicht willst du ja selbst mit ihm reden.“ Ich überlege kurz, dann antworte ich: „Okay. Ich komme.“, und drehe mich zu Chase um: „Ich weiß, du bist sicher müde, aber bitte könnten wir kurz noch ins Princeton Plainsboro fahren? Ich muss da noch etwas klären...“ – „Ja, sicher. Ich hoffe, du kannst dann mit dem Ganzen abschließen.“

Im Krankenhaus angekommen gehe ich gleich zur Station, auf der er liegt. Chase wollte im Auto warten, was mir in diesem Fall sehr recht war. Doch schon beim Eingang erwartet House mich: „Du hast echt lang gebraucht, komm mit.“ Ich zucke mit den Augenbrauen und laufe hinter House her. „Er ist also aufgewacht, hm? Hat er schon etwas gesagt?“ – „Tja, er wollte wissen, wie es dir geht. Und vor allem, was du machst.“

Endlich kommen wir bei Wilsons Zimmer an, House dreht sich zu mir um: „Also, ich lasse euch jetzt alleine. Redet, so lange ihr wollt.“ Ich öffne die Tür und betrete das Zimmer, immer noch ein mulmiges Gefühl im Bauch. „Hi Wilson... wie geht es dir?“, frage ich, als ich zu ihm hingehe. Er liegt so mitleidserregend da, dass ich wirklich fast weinen muss, als er mich ansieht: „Danke, dass du kommen konntest. Mir geht’s den Umständen entsprechend. Bitte hör mir kurz zu: Ich hab mir irgendwie schon gedacht, dass du mich nicht heiraten wolltest. Du warst in den letzten paar Tagen so distanziert zu mir und hast mich jedes Mal, als ich mit dir gesprochen habe, so seltsam angesehen. Ich trage es dir wirklich nicht nach, dass du schlussendlich Chase geheiratet hast, aber du solltest wissen, dass es wirklich fies von dir war, mich so zu hintergehen. Ich habe dir ständig alles geboten, das mir möglich war. Also entweder war es dir nicht gut genug oder du bist einfach nur herzlos.“ Ich trete näher hin und nehme seine Hand. Schließlich starre ich ihn wehmütig an: „Ich weiß, mein Verhalten war so inakzeptabel, man kann es kaum mit irgend etwas Anderem messen. Ich wollte dir wirklich nicht wehtun und es ist eigentlich auch überhaupt nicht meine Art. Normalerweise tue ich so etwas nicht, es ist echt nicht meine Art. Ich habe keine Ahnung, was mich damals überkommen hat. Aber es tut mir so schrecklich leid, alles was ich dir jemals angetan habe.“ – „Okay. Ich glaube dir wirklich. Und ich hoffe auch, wir können eventuell Freunde bleiben. Vielleicht hin und wieder mal auf eine Kunstausstellung gehen? Überglücklich, dass er es mir nicht nachträgt, umarme ich ihn und flüstere in sein Ohr: „Ja, sicher. Ich rufe dich an, wenn ich von der Nächsten etwas mitkriege.“ Dann verabschiede ich mich und gehe aus dem Krankenhaus, wieder in Chases Wagen, wo er schon auf mich wartet: „Na, wie war’s?“ – „Er will, dass wir Freunde bleiben. Ich bin wirklich froh, das geklärt zu haben. Aber lass uns nach Hause fahren.“

Schließlich sind wir bei ihm daheim und gehen in die Wohnung, die ganzen Kartons mit meinen Sachen in der Hand. Oben in seiner schicken, großen Wohnung angekommen, laden wir die Dinger neben der Tür ab und beginnen uns zu küssen: „Ich bin wirklich froh, dass die ganze Sache geklärt ist. Jetzt können wir unser Leben verbringen, ohne dass du Schuldgedanken an ihn haben musst“, flüstert er mir ins Ohr. Chase trägt mich ins Bett, wo wir es zuerst einmal wieder miteinander treiben, danach liegen wir beide im Bett, ich in seinen Armen. „Schlaf gut“, flüstert er mir ins Ohr, dann schlafe ich ruhig und friedlich neben ihm ein.

***ENDE***
27.10.08 08:56
 


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