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Forsetzung der Geschichte

6

Am nächsten Morgen wache ich schon früh auf, ich habe schließlich schon früh geschlafen. Überrascht, wo ich bin, stehe ich leise auf, schon kurz nachdem ich aus dem Schlafzimmer komme, wird mir klar, dass ich in Wilsons Wohnung bin. Ich kann nicht anders als zu lächeln, denn Wilson sieht einfach zu lieb aus, wie er auf dem Sofa schläft. Ich schleiche mich in die Küche, wo ich einen Espresso mache, doch scheinbar bin ich etwas zu laut, denn er wacht mittlerweile auch auf und kommt in Richtung Küche. „Guten Morgen, wie hast du geschlafen? Ich hoffe es ist okay, dass ich dich nicht mehr geweckt habe, du hast so lieb geschlafen gestern Abend.“, begrüßt er mich an diesem Morgen. Ich fange an zu lachen und antworte ihm: „James, es ist wirklich so nett, was du getan hast. Aber es hätte mich auch nicht gestört, auf dem Sofa zu schlafen! Willst du auch einen Kaffee?“

„Ja, gerne. Aber nein, es ist nur höflich und angemessen, dich im Bett schlafen zu lassen.“

Er kommt neben mich und nimmt sich den Kaffee, den wir im Stehen trinken. Als wir beide fertig sind, kommt er näher, wir küssen uns sanft. „Ich habe wirklich noch nie so eine unglaubliche Frau wie dich getroffen, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt, Svenja.“ Ich bin gerührt, weiß aber nicht was ich sagen soll, deshalb küsse ich ihn nochmals. Währenddessen nimmt er mich in den Arm, und wir stehen noch lange so da. Als ca. 10 Minuten vergangen sind, in denen wir uns nur geküsst haben, fragt er mich schließlich: „Willst du nicht bei House ausziehen und zu mir ziehen?“ Zuerst weiß ich nicht, was ich sagen soll, aber die einzig richtige Antwort ist einfach: „Ja!“

Noch an diesem Nachmittag fahren wir gemeinsam zu Gregs Wohnung. Ich gehe hinein und lege den Schlüssel schon beim Reinkommen auf den Küchentisch, schreibe noch einen kleinen Zettel für ihn und lege ihn dazu:

„Hi Greg,

vielen Dank, dass ich ein paar Tage bei dir wohnen durfte. Ich ziehe jetzt aus, denn ich will dir nicht weiter zur Last fallen. Danke nochmals."

Außerdem lege ich noch 100 Dollar unter den Schlüssel, dafür dass er mich ein paar mal zum Essen eingeladen hat. Anschließend packe ich noch alle meine wenigen Klamotten, die ich nur dabei habe ein und gehe wieder hinaus. Dort wartet schon Wilson auf mich und steckt die Tasche in seinen Mercedes. „Hast du alles?“, fragt er mich noch, als ich nicke steigen wir ein. Jetzt fahren wir los, während dem Fahren hören wir die neue CD von Amy MacDonald und singen sogar noch mit.

In der Wohnung angekommen stelle ich die Tasche ab, und da es schon Abend ist, beschließen wir, gemeinsam etwas zu kochen. „Was sollen wir kochen?“, fragt Wilson mich, denn die Auswahl ist sehr groß. „Keine Ahnung... wie wäre es mit Nudeln? Vielleicht mit einer Fischsauce?“ – „Ja, warum nicht. Welche Nudeln sollen wir nehmen?“ Schließlich entscheiden wir uns für Vollkornpenne. Zuerst schneide ich den Lachs in kleine Stückchen, Wilson schneidet das Gemüse. Als das Wasser für die Nudeln endlich kocht, gebe ich schnell welche in den Topf, dann widme ich mich auch dem Gemüse. Nun ist alles fertig, wir geben das Gemüse in den Topf und lassen es weich kochen, passieren es und geben noch den Lachs dazu. Wilson schmeckt zuerst ab: „Irgendwie gehört da noch etwas Rahm hinein. Findest du nicht auch?“ – „Mh... ja, auf jeden Fall!“

Das Essen ist jetzt fertig, Wilson bringt die Nudeln zum Tisch, ich die Sauce. Wir setzen uns beide hin und essen gemütlich das eben Gekochte. „Das ist echt lecker!“, findet er, was mich ebenso freut, wie ihn. Nach ungefähr je 2 Tellern sind wir satt und liegen gemütlich auf die Couch. Wir schalten den Fernseher ein, es läuft im Moment eine Folge Grey’s Anatomy. Die beschließen wir anzuschauen. „Irgendwie mag ich Derek... aber Meredith ist eine Schlampe“, findet Wilson nach schon ca. einer Minute. „Ja, geht mir genau so. Ich finde Izzy toll... sie ist irgendwie so ein herzlicher Mensch. Fast schon wie eine weibliche Version von dir.“

Das fand er scheinbar so süß, dass er mich in den Arm nimmt und mich küsst. Plötzlich wird die Folge von Grey’s Anatomy so zweitrangig, dass wir sogar miteinander schlafen. Aber es ist ein ganz anderes Gefühl, als mit House zu schlafen, Wilson ist nicht wild, einfach nur so sanft, als würde er die Bedürfnisse einer Frau total verstehen und sich daran anpassen.

Jetzt liegen wir einfach nur da, halten uns im Arm. Ich glaube, ich habe den Mann fürs Leben gefunden – wir brauchen nicht einmal Worte um uns zu verstehen. Wilson scheint instinktiv zu spüren, was ich brauche oder will. Es ist einfach wie ein Traum.

7

Die nächsten drei Wochen vergehen genau gleich wie die paar Tage davor. Wir gehen aus, haben unsern Spaß,...

Heute Abend führt Wilson mich in ein schickes, französisches Restaurant. Dieses Mal bekommen wir aber nicht wie üblich eine Speisekarte, denn er scheint schon im Vorhinein ausgesucht zu haben, was wir essen. In gewisser Hinsicht bin ich wirklich froh darüber, denn die Speisekarte wäre in französisch gewesen, eine der wenigen Sprachen, die ich nicht spreche. Wie üblich wird zuerst ein guter, teurer Wein serviert, als Vorspeise bekommen wir etwas kleines, Schnecken wie ich erfahren sollte. Die Hauptspeise besteht aus einem zarten Kalbsfleisch mit einer guten Sauce. Als Dessert bekommen wir eine Früchteplatte serviert.

Als wir diese auch fertig gegessen haben, wird uns auch noch Sekt gebracht. Ich brauche nicht lange, um zu sehen dass in meinem Sekt etwas kleines schwimmt, das auch noch funkelt. Mir bleibt der Mund offen stehen: Es ist ein Ring!

„Svenja, ich weiß wir kennen uns noch nicht lang, aber: Willst du mich heiraten?“, nehme ich in diesem Moment von Wilson wahr, der plötzlich neben mir auf dem Boden kniet. Zuerst lächle ich ihn an, sprachlos vor Begeisterung und Überraschung, dann falle ich ihm um den Hals und fiepe: „JA!“

Schon am nächsten Tag plane ich die Hochzeit, es wird eine kleine Kapelle südlich von New Jersey, frage eine Freundin, die von Spanien hergezogen ist, Marina, ob sie meine Brautjungfer sein möchte – sie sagt ja! – stelle fest, dass Wilsons Trauzeuge Greg wird – was übrigens nicht wirklich zu meiner Freude ist! Als ich den ganzen Tag daran geschuftet habe, fehlt erstaunlicherweise nur noch das Kleid, die Schuhe und die Frage des Stylings. Als Wilson um kurz nach 8 nach Hause kommt, zeige ich ihm die kleine, in einem Tag organisierte, Hochzeitsplanungsmappe. „Oh mein Gott! Das hast du jetzt wirklich in einem Tag geschafft,... wann ist der Termin?“, fragt Wilson erstaunt. „Es ist der 21. Juli!“, platze ich heraus. „Svenja!!!!!!“ – „Was denn?“ – „Das ist schon in ein einhalb Wochen!“ – „James... ich habe die Gästeliste, Brautjungfer, Trauzeuge,... alles einfach außer meinem Kleid.“ Dem Ganzen setze ich noch einen Grinser dazu. Anschließend gehen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen gehen Marina und ich los, um mein Brautkleid und die passenden Schuhe zu kaufen. Natürlich nehmen wir mein BMW 1er-Cabrio, das ich mir vor zwei Wochen gekauft habe. Jetzt sind wir beim Geschäft und gehen auch hinein. Die Verkäuferin begrüßt uns freundlich und fragt, wer denn die glücke Braut sei. „Ich bin es. Also ich möchte auf jeden Fall ein Kleid das entweder rosa schimmert oder weiß mit leicht rosa ist.“, füge ich hinzu.

Die freundliche junge Dame zeigt mir insgesamt 7 Modelle: eines schöner als das andere. Meine beiden Favoriten sind einmal ein blassrosa Kleid mit einer drei Meter langen Schleppe, Pailletten, und wunderschönen Raffungen. Das andere ist ein weißes Kleid mit kleinen Bändchen um den sehr weiten Unterteil, natürlich in rosa. Es hat keine Schleppe, dafür sind Kristalle auf dem Oberteil angebracht. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches ich nehmen soll, denn beide Kleider stehen mir einfach wunderbar. „Hach, weißt du was, Marina? Ich nehme jetzt einfach das weiße Kleid! Schließlich will ich es doch lieber etwas traditionell halten!“ Also kaufen wir es. Marina haut es fast vom Hocker, als sie sieht, dass es 5.000 Dollar kostet.

8

Es ist schon Donnerstag, wir heiraten schon am Dienstag. Heute gehe ich gemeinsam mit Wilson zur Arbeit, nur um mal seine Kollegen und Arbeitswelt kennen zu lernen. „Und wie lange arbeitest du?“, frage ich ihm auf der Fahrt. „Heute nicht so lange, nur von 9 bis 5.“

Erleichtert drehe ich meinen Kopf wieder zur Straße hin, immerhin darf heute ich fahren. Bis zur Arbeit sind es ja nur drei Minuten, die auch wie im Flug vergangen sind. Wir steigen aus dem Auto und gehen hoch. Als erstes kaufen wir uns einen Kaffee, den trinken wir auf dem Weg zu Wilsons Büro. Das Krankenhaus hat sich eigentlich gar nicht verändert. Greg arbeitet heute missmutig in der Ambulanz, scheinbar dazu verdonnert von der Krankenhausleitung. Dr. Cameron sagt immer noch kein Wort zu mir und dann gibt es da immer noch den gut aussehenden Arzt, Dr. Chase. Wilson geht mit mir in sein Büro, in dem sogar ein Sofa und ein Fernseher stehen. Ich darf natürlich nicht den ganzen Tag fernsehen. Denn immerhin behandelt er Patienten auch in seinem Büro. „Nun ja, du kannst mit den Schwestern über die schlecht aussehenden Typen ablästern, dich mit House’s Mitarbeitern unterhalten, ein bisschen in den Krankenhausshops einkaufen, oder du gehst zu den Komapatienten fernsehen.“, antwortet mir Wilson, aber in diesem Moment kommt auch schon der erste Patient herein und ich werde vor die Tür gestellt.

Also laufe ich durchs Krankenhaus, genervt vor lauter Langeweile. Ich komme an dem Zimmer vorbei, in dem die Angestellten von House arbeiten. Genau Dr. Chase sitzt alleine drinnen und liest Zeitung. Ich betrete den Raum und sage hi. „Hi... sind Sie nicht die Verlobte von Wilson?“, fragt er mich. „Ja, genau, mir ist langweilig. Sie haben doch sicher nichts zu tun, oder? Wollen Sie nicht mit mir quatschen?“ – „Ja, genau! Also, du heißt Svenja, nicht? Ich bin Chase.“ „Ah... ja... genau...“ – „Mhh...“ Uns ist natürlich klar, dass das Gespräch nirgendwo hinführt. Chase ergreift die Initiative, steht auf und sagt: „Komm doch mal mit.“ Wir gehen zusammen den Gang entlang, irgendwo kommt ein Lift, in den wir einsteigen und zwei Stockwerke runterfahren. Jetzt sind wir im Keller, gehen wieder einen langen Gang entlang. Ich will ihn fragen, wo wir hinlaufen, aber er winkt nur ab. Am Ende des Ganges ist eine Tür, durch die wir gehen, ich kann mir denken, wo wir sind: In einer Schlafkammer! Bevor ich aber etwas sagen kann, fängt Chase an, meine Bluse aufzuknöpfen, während er mich küsst. Irgendwie ist es mit ihm noch besser, als mit House und Wilson! Also mache ich mit, plötzlich treiben wir es auch! Es ist einfach nur genial, aber ich mache mir Sorgen, dass Wilson reinplatzen könnte.

Wir sitzen wieder im Auto und fahren nach Hause, reden, wie unser Tag war. „Ja, er war ziemlich gut. Ich hab mir ein Bisschen das Krankenhaus zeigen lassen, ich kenn mich jetzt fast überall aus.“ – „Schön. Ich hab dich gar nicht gesehen. Wart ihr im Ostflügel?“ – „Ja, Radiologie, HNO-Station, Unfallchirurgie,... das Zeug eben. Und du?“ – „Das übliche, Besprechung, OP, Besprechung, OP,... eigentlich nur langweiliges Zeug.“ Irgendwie habe ich schon ein schlechtes Gewissen wegen dem Sex mit Chase, aber wir haben uns darauf geeinigt, dass Wilson es nicht wissen sollte. Zu Hause essen Wilson und ich noch ein Fischrisotto, schauen Fernseher, und gehen schon ziemlich früh ins Bett.

Es ist der nächste Morgen. Ich sitze wieder alleine zuhause und mache Yoga. Gerade als ich eine Kopfüber-Übung mache, klingelt die Haustüre. Um runter zu kommen, lasse ich mir natürlich Zeit, ich will mir ja nicht weh tun, doch dann renne ich fast schon zur Tür. Davor steht Chase! Ich hätte nicht gedacht, dass er wirklich vorbei kommen würde... Dennoch öffne ich ihm die Tür, er kommt wieder zur Tür rein und überfällt mich schon fast mit seinen Küssen. Wiederholt schlafen wir miteinander, irgendwie ist mein schlechtes Gewissen nicht mehr so schlecht wie gestern. Natürlich bin ich nicht stolz darauf, aber ich genieße seine Anwesenheit so sehr. „Du willst nicht wirklich Wilson heiraten, obwohl du offensichtlich auf mich stehst?!“, fragt er mich, während wir in Wilsons und meinem Bett liegen. „Chase... es ist komplizierter. Und du weißt das!“ Leider fällt mir wirklich nichts besseres ein, immerhin ist es wirklich nicht kompliziert.

9

Heute ist der Tag der Hochzeit. Ich sitze in einem kleinen Räumchen der Kapelle, werde von der Stylistin geschminkt und bekomme auch meine Haare gemacht. Sie werden gelockt und hochgesteckt, anschließend schlüpfe ich in mein wundervolles Kleid, auch in die rosa Pumps, die ich passend dazu gekauft habe. Jetzt bin ich fertig, Marina und ich gehen gemeinsam runter. Aber kurz bevor sie die Tür öffnet, drückt sie diese noch mal zu und fragt mich: „Willst du ihn auch wirklich ernsthaft heiraten? Chase ist doch... du weißt schon!“ – „Ich bin mir nicht sicher... und ich weiß auch absolut nicht, was ich machen soll. Ich werde jetzt wahrscheinlich da runter gehen und Wilson heiraten?“ Sie nickt mir verständnisvoll zu und hält mir die Tür auf. Wir gehen zusammen die Treppe runter.

Chase versuchte, sein Auto zu starten. Doch irgendwie sprang der dämliche Porsche nicht an! Deshalb setzte er sich auf sein Fahrrad, natürlich trug er nur seine Jeans und ein Hemd. Er hatte nicht damit gerechnet, das zu tun, doch er konnte einfach nicht anders als die Hochzeit zu verhindern. Er trat in die Pedale, so schnell es ging, fuhr er diese 12 Kilometer bis zur Kapelle, in der sich Wilson und Svenja das Ja-Wort geben wollten. „Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig“, dachte er sich und trat noch schneller. In seiner Hemdtasche hatte er den teuersten Ring, den er finden konnte.

Ich schreite gerade zum Altar. Marina begleitet mich, anstatt meines Vaters. Vorne steht schon Wilson.

„Wollen Sie, James Wilson, die hier anwesende Svenja da Silva heiraten?“, fragt der Pfarrer. – „Ja, ich will.“ Langsam fange ich mir wirklich an, Sorgen zu machen wegen der Hochzeit. „Wollen Sie, Svenja .....“ Der Pfarrer kann nicht einmal seinen Satz zu Ende sprechen, da springt die Tür ruckartig auf, Chase kommt angerannt. „Nein! Svenja, ich liebe dich! Bitte...“ er kniet vor mir nieder, „heirate MICH!“, und hält mir einen wunderschönen Ring mit Brillianten entgegen. „Oh mein Gott...“, ist alles, was ich rausbringe. Ich drehe mich wieder zu Wilson, ich kann einfach nicht anders, als den Kopf schuldbewusst den Kopf zu schütteln. Er weiß sofort, was ich meine und begreift natürlich auch, was vorher passiert sein muss. „Warum?“, ist alles, was ich höre, er schielt auf den Boden und geht.

Also heiraten jetzt Chase und ich, wie es aussieht. Marina springt in der Gegend herum, vor lauter Freude. Sie war natürlich schon immer dafür, dass ich Wilson nicht heirate. „Nun, sind jetzt die richtige Braut und der richtige Bräutigam anwesend?“, fragt Pfarrer Brown nun. Als ich nicke, fährt er fort. „Also wollen Sie,...?“ – „Robert Chase“ – „Wollen Sie, Robert Chase, die hier anwesende Svenja da Silva heiraten?“ – „Ja, natürlich!“ – „Und Sie, Svenja da Silva, wollen Sie Robert Chase heiraten?“ Ich lächle, sehe ihm noch kurz in die Augen und sage „Ja, ich will.“ Dann küssen wir uns, lang und gefühlvoll. Irgendwie habe ich bei Wilson nie so empfunden. Jetzt trägt Chase mich raus und wir steigen in die Limousine, die uns zum Flughafen bringen soll. Wir fliegen immerhin auf die Flitterwochen, die ich eigentlich mit Wilson geplant habe. „Du überraschst mich jedes mal wieder aufs Neue.“, unterbricht Chase schließlich unser langes Küssen. „Ich weiß, aber diesmal bin ich mir sicher: Das war die richtige Entscheidung!“ „Woher wusstest du es eigentlich?“, will er dennoch wissen. „So sehr ich Wilson auch mochte... es hat eigentlich nie so gefunkt, wie bei dir, wenn wir uns küssten. Was hat dich dazu bewegt?“ – „Ich glaube, es war das gleiche. In meiner Wohnung hat es sich plötzlich so... leer angefühlt. Auch in meinem Leben, ich habe gespürt, dass du ein Teil wurdest, der mir irgendwie gefehlt hat.“ Ich ziehe mich gerade um, immerhin will ich nicht im Hochzeitskleid losfliegen. Die Schuhe behalte ich aber an, die gefallen mir einfach zu gut.

Wir sind am Flughafen von New Jersey angekommen, wo wir aus der Limousine aussteigen. Chase steigt zuerst aus und hilft mir dann dabei. Für ihn ist es irgendwie selbstverständlich, auch das Gepäck zu tragen. Gerade als ich den Koffer nehmen will, nimmt er sanft meine Hand davon weg und trägt ihn selbst, mit den Worten „Ich mach das schon, Schatz.“ Glücklich, nun doch ihn geheiratet zu haben, gehe ich an seiner Seite durch die Eingangshalle und Richtung International Check-In, wir fliegen nämlich nach Paris. Ich bin wirklich froh darüber, unter meinem richtigen Namen reisen zu können, da mein Vater und ich uns kurz vor der Hochzeit vertragen haben, gebe ich meinen echten Pass hin. Wir können ohne Probleme einchecken und haben auch in ungefähr fünf Minuten unsere First-Class Sitzplätze. „Gehen wir noch in die First-Class-Lounge, etwas essen?“, frage ich meinen Mann, der grinst und seinen Arm um meine Schulter legt. „Alles, was du willst.“ Arm in Arm gehen wir gemeinsam in Richtung Lounge, wo wir schnell ein gutes, mexikanisches Restaurant finden. Wir setzen uns und bestellen beide Burritos, ich aber gleich zwei. Chase ist schon fast erstaunt darüber, wie viel ich essen kann, ich winke aber nur ab und sage: „Glaub mir, ich bin ein kleiner Vielfraß!“ Zusammen lachen wir, reden auch noch ein Bisschen über den langen Flug, den wir gleich vor uns haben werden. Die Wartezeit für die Burritos kommt mir extrem kurz vor, was wahrscheinlich die Folge der guten Konversation mit ihm ist. Als die Burritos mit dem ganzen Salat kommen, fange ich an, zu essen und zu essen. Chase kann immer noch nicht glauben, dass ich wirklich auch im Flugzeug noch Hunger haben werde. Genau gesagt glaubt er sogar daran, dass er mein Essen dort kriegen wird. „Mach dir da mal lieber keine Sorgen, mein Essen im Flugzeug kriegst du nicht, Chase“, lache ich. Er kann es einfach nicht glauben...: „Das werden wir ja noch sehen. Wenn du dann im Flugzeug angekrochen kommst und keinen Bissen mehr runter kriegst, ist es dein Problem. Wollen wir wetten?“ Sicher, dass ich die Wette gewinne, setze ich den Einsatz auf 100 Dollar. „Ach, bist du dir wirklich so unsicher? Wie wäre es mit 200?“ – „Tja, ich wollte nur deine Geldtasche schonen... aber wenn du es unbedingt willst! 200.“

Noch während wir beim Essen sind, kommt von etwas weiterem her eine Frau, die mir ziemlich bekannt vorkommt, angerannt. Als sie näher kommt, erkenne ich sie: es ist Dr. Cameron! Sie scheint extrem wütend zu sein, denn ihrem Gesichtsausdruck zufolge scheint sie wohl auch mal mit Chase zusammen gewesen zu sein. „Chase? Was macht Cameron hier?“, frage ich ihn verblüfft, denn sie kommt hinter ihm immer noch näher. Er dreht sich nun um und bemerkt sie ebenfalls. Jetzt steht sie vor uns, sie hat schon fast Tränen in den Augen: „Chase, wie kannst du mir das antun? Wir waren zusammen! Und dann finde ich einen Zettel! Einen Zettel, verdammt!“ Jetzt rinnen ihr große Tränen über die Wangen, ihre Stimme wird leiser: „Du hast einfach mit einem Zettelchen Schluss gemacht. Was habe ich dir eigentlich getan, dass du mich so hintergehst?“ „Allison, wir hatten Sex, zwei oder drei Mal. Was bildest du dir ein? Dass ich dafür die Frau meines Lebens einen anderen heiraten lasse?“ beendet er das Gespräch mit ihr, legt einen Fünfziger auf den Tisch, nimmt mich an der Hand und wir gehen in Richtung Sicherheitskontrolle. „Ich hoffe, es war dir nicht zu unangenehm gerade“, beruhigt er mich, aber ich erwidere nur: „Mach dir da keine Sorgen, es ist ihr Problem. Ihr wart wirklich nicht zusammen? Das war ja mal eine übertriebene Reaktion...“ – „Ja, aber so ist sie einfach. Übertrieben emotional.“ Er gibt mir noch kurz einen Kuss auf die Lippen und verschwindet dann in der Männerschlange der Sicherheitskontrolle, während ich bei den Frauen bleibe. Die Schlange kommt sehr schnell voran, ich glaube, die Kontrollen werden hier am Flughafen nicht so ernst genommen. Jetzt bin ich an der Reihe, ich laufe durch den Sensor, er piept zum Glück nicht. Hin und wieder kann das bei mir schon mal vorkommen, wenn ich vergesse, einen Ohrring oder den Gürtel auszuziehen. Jetzt habe ich auch wieder meine Handtasche und gehe schnellen Schrittes rüber zu Chase, bei dem das ganze scheinbar nicht so schnell vorangegangen ist. Männer scheinen für die Amerikaner einfach krimineller zu wirken.

Jetzt ist auch Chase aus der Kontrolle gekommen, bei ihm hat das Ganze fast fünf Minuten länger gedauert als bei mir. Wieder Arm in Arm gehen wir in Richtung Gate, wo schon der Einlass ins Flugzeug begonnen hat. Die Schlange für die erste Klasse ist nicht besonders groß, schon nach ungefähr zwei Minuten Wartezeit sind unsere Tickets und Pässe gecheckt, wir gehen ins Flugzeug, wo wir auch gleich unsere Sitzplätze finden. Die First-Class ist nicht vollständig besetzt, was natürlich stark zu unserer Freude ist. Wir sitzen eher in der Mitte, auf Sitz 4a und 4b. Kaum eine halbe Minute nachdem wir uns hingesetzt haben, kommt auch schon eine freundliche Flugbegleiterin der US Airways, die Fluggesellschaft, mit der wir heute fliegen, und fragt uns, ob wir etwas trinken wollen. Wir schauen uns kurz an und sind uns beide einig: „Wir hätten gerne Sekt.“ Schleunigst bringt sie uns diesen, doch genau als wir anstoßen, fangen wir schon an, zu fahren. In schnellster Zeit heben wir auch schon vom Boden ab und fliegen hoch in die Luft. Jetzt, da wir so ziemlich die Flughöhe erreicht haben, können Chase und ich endlich anstoßen. „Auf uns“, sagt er und wir nehmen einen ziemlich großen Schluck. Bald haben wir den Sekt getrunken, die Gläser werden auch abgeräumt. Chase und ich beschließen, uns einen Film anzusehen, wir wählen P.S. Ich liebe dich. Aber schon nach den ersten paar Minuten bin ich so müde, dass mir die Augen zufallen und ich jetzt erst mal fünf Stunden lang durchschlafe, obwohl es gerade erst 16 Uhr ist.

Ich träume gerade schön davon, wie Chase und ich im Meer schwimmen gehen, da werde ich sanft aus meinen Träumen gerissen. Er stupst mich an: „Svenja, aufwachen. Es gibt Essen. Du willst dich bestimmt nicht davor drücken!“ Langsam kriege die Situation mit, reibe mir noch kurz die Augen, dann bin ich aber wieder voll wach. „Was gibt es als Auswahl?“, frage ich die Flugbegleiterin. – „Sie können auswählen zwischen Seezunge mit Kartoffeln und Kapern in Weißweinsauce oder Filetsteak mit Pfeffersauce und Kroketten, oder Spaghetti mit Trüffelsauce.“ – „Dann nehme ich die Seezunge“, ich wende mich wieder Chase zu: „Was hast du genommen?“ – „Das Steak“, unterbricht er sein genüssliches Kauen. In der Zwischenzeit wurde meine Seezunge auch angerichtet, zum Glück habe ich schon wieder einen riesigen Hunger. Ich beginne zu essen, natürlich unter der Beobachtung meines Mannes, der immer noch hofft, die 200 Dollar von mir zu kriegen.

Eine viertel Stunde später habe ich letzten Endes auch den letzten Bissen von meinen Kartoffeln geschluckt und beginne, Chase anzustarren, der mittlerweile absichtlich aus dem Fenster schaut. Für ihn war es schon in der Hälfte meines Essens offensichtlich, dass ich die Wette gewinnen würde, deshalb tut er jetzt so, als hätte er es nicht bemerkt. „Du schuldest mir Geld...“, weise ich ihn lächelnd darauf hin. „Na gut. Hier...“, sagt er, als er mir die Wettschulden gibt. Schon eine halbe Stunde später schlafen wir beide wieder ein und verharren auch so, bis wir schließlich zur Landung ansetzen. Jetzt werden wir beide wieder geweckt, diesmal von einer anderen Flugbegleiterin: „Bitte schnallen Sie sich an, wir landen in Kürze!“

Wilson saß bei House zu Hause, mit dabei war natürlich auch eine Flasche Single Malt. Er hatte Tränen in den Augen: „Ich habe sie geliebt House! Verdammt, weißt du eigentlich wie das ist? Wir wollten heiraten!“ House konnte natürlich nichts dergleichen nachempfinden. Er versuchte einfach, für seinen besten Freund da zu sein, dem es im Moment mehr als schlecht ging. Wilson hatte schon soviel von dem Whiskey getrunken, dass er eigentlich nur noch lallte. Gerade als Wilson sich noch ein Glas einschenken wollte, kippte er aber um und schlief ganz plötzlich ein. House dachte sich nichts dabei und ließ seinen Freund den Rausch ausschlafen. Er selbst legte sich ins Bett und sah sich einen Film an.

10

Wir steigen aus dem Flugzeug aus, in Paris scheint die Sonne, soviel wir beobachten konnten. Langsam begeben wir uns zum Laufband, auf dem unsere Koffer gleich herausgegeben werden sollen. Wir haben noch kurz Zeit, unsere Handys einzuschalten und auf die aktuelle Zeit umzustellen. Mittlerweile ist es in Paris 8 Uhr Morgens, es scheint aber ein etwas frostiger Morgen im September zu sein. Zur Sicherheit hole ich mir lieber eine Jacke aus meiner Tasche, in diesem Moment beginnt auch schon die Gepäcksausgabe. Unsere Koffer kommen ziemlich am Anfang, wir brauchen also nicht lange zu warten. Chase nimmt sie alle runter vom Band und schiebt auch den Gepäckswagen wieder. Auf die Frage, ob ich wirklich nichts abnehmen soll, erwidert er nur: „Schatz, ich hab’s dir schon ein paar mal gesagt!“ Also laufe ich neben ihm her, nur meine Handtasche tragend. Wir gehen zum Taxistand und lassen uns zu unserem Hotel, dem Hilton Paris bringen. Die Fahrt dauert eigentlich nicht besonders lange, wir brauchen eine knappe halbe Stunde, der Verkehr ist aber auch sehr ruhig. Dort angekommen, wird uns schon das Gepäck vom Portier abgenommen und hinein gebracht. An der Rezeption ist gerade kein einziger Gast, weshalb wir auch sofort dran kommen. Wir werden freundlich begrüßt und bekommen unsere Zimmerschlüssel, Nummer 823. Im achten Stockwerk sind überwiegend Suiten, so eine haben wir auch gebucht. Nun ja, eigentlich war das noch mit Wilson, aber ich bin mir sicher, Chase hätte ebenfalls nur das beste gewollt. Irgendwie habe ich schon leichte Schuldgefühle, doch ich werde schnell davon abgelenkt, als er die Tür zum Zimmer aufmacht und ich den zimmereigenen Whirlpool sehe! „Da wirst du mich nicht mehr rausbekommen!“, ich gebe ihm noch einen kurzen Kuss auf die Wange und renne dann, so schnell mich meine 15 cm hohen Pumps tragen, zu dem wunderschönen Ding hin. Chase geht gemütlich hinter mir her, dreht aber vor dem Zimmer mit dem Whirlpool nach links und legt sich aufs Bett: „Wow, wir haben sogar ein Wasserbett! Du musst dich einfach reinlegen!“ Kaum dass ich das Wort Wasserbett vernommen habe, springe ich zu ihm und lande in dem wunderschönen Himmelbett, das wirklich weich ist, neben ihm. Jetzt sind wir in der perfekten Position und nützen es natürlich auch aus, uns zu küssen. Er küsst mich so lang und zärtlich, wie noch nie jemand zuvor, wieder einmal haben wir natürlich auch Sex. Zum Glück aber erst, als der Portier mit dem Gepäck schon da gewesen ist.

Nach dem wunderschönen Sex stehe ich auf, ziehe den Bademantel, der im Badezimmer hängt, an und beginne, die Koffer auszupacken. Chase hingegen macht ein Nickerchen, bei dem ich ihm wirklich gerne zusehe, in erster Linie, weil er beim Schlafen immer so lieb grinst. Während des Auspackens fällt mir plötzlich eines von Wilsons Hemden in die Hände. Sprachlos und peinlich berührt bleibe ich stehen, das Kleidungsstück in der Hand. Ich verziehe die Mundwinkel, lege das Hemd aber schließlich beiseite und kümmere mich wieder um die wichtigeren Sachen. Schließlich bin ich fertig damit und beginne, den Whirlpool zu füllen. Ich freue mich schon darauf, baden zu gehen und ziehe mir einen goldenen Monokini an. Die Haare binde ich mir noch zu einem Dutt zusammen, damit sie nicht nass werden und steige langsam ein. Verdammt, diese Drüsen sind einfach wundervoll, viel besser als die in meinem Elternhaus. Genüsslich nippe ich an einem Glas Sekt, in der Zwischenzeit ist auch mein Mann aufgewacht und gesellt sich zu mir, ebenfalls Sekt in der Hand. „Dann mal zum Wohl! Auf eine wundervolle Ehe und ebenso wundervolle Flitterwochen!“ Wir stoßen an und nehmen ein Schlückchen. Dann kuschle ich mich an ihn und wir genießen diesen wunderschönen ersten Vormittag unserer Hochzeitsreise.

Um kurz nach 12 Uhr steigen wir raus, ich mache mich noch kurz frisch, wir ziehen uns schöne Klamotten an und gehen in ein schickes Restaurant in der Nähe des Eiffelturms. Dort hin fahren wir mit dem Taxi. Die Fahrt dauert rund 10 Minuten, die wir mit Reden über unsere restlichen Pläne verbringen. Als wir aussteigen, hält er mir die Türe auf, wie immer, und wir gehen in den Gastgarten des extrem luxoriös aussehenden Restaurants. Allerdings fällt es mir wirklich schwer, die Speisekarte zu verstehen, da sie mal wieder französisch ist, und ich spreche ja keines. Chase übersetzt mir die Sachen, die mir schmecken würden und erklärt bei Bedarf auch, was es genau ist. Er kennt sich einfach zu gut aus. Schließlich bestellen wir beide ein Gericht, das aus Meeresfrüchten, Austern und Hummer besteht, mit Reis dazu und einer Safransauce. Auf das Essen müssen wir eine Weile warten, immerhin wird es noch ganz frisch zubereitet, nicht wie in anderen Restaurants. Die Zeit vergeht aber trotzdem schnell, da das Restaurant einen Pianisten hat, der wunderschöne Musik spielt. Dazu noch der Roséwein und unsere gute Konversation, diesmal darüber, wo wir wohl unseren nächsten Urlaub verbringen könnten, und die Wartezeit ist perfekt.

Letztendlich wird das Essen serviert, es sieht noch besser aus, als es klingt, genau so schmeckt es auch noch. Es ist ein wahrer Genuss, vor allem, weil der Fisch noch frisch ist, also weder tiefgekühlt noch konserviert. Für die Sauce hat man wie es scheint auch nur hochwertigen, echten Safran verwendet und vom Hummer muss ich ja gar nicht erst anfangen! Eigentlich ist es nur schade, dass es reichlich kleine Portionen sind. Deshalb haben wir sie fünf oder sechs Minuten später auch fertig gegessen und bestellen noch Beerencreme. Die kommt um einiges schneller als unsere Hauptspeise, wahrscheinlich machen sie die schon früh morgens fertig und stellen die kalt. Trotzdem schmeckt auch diese wundervoll.

Zufrieden und satt bezahlen wir schließlich, ich staune nicht schlecht, als die Rechnung mit über 150 Euro kommt. Chase gibt seine Kreditkarte hin, kriegt sie eine Minute später auch wieder zurück und wir gehen. „Was willst du machen?“, fragt er mich, als wir vor einem Geschäft der französischen Marke Yves Saint Laurent (rest in peace!) stehen. „Da rein gehen, was denn sonst?!“, erwidere ich und hüpfe fast schon zur Tür. Drinnen angekommen finde ich schon nach einer Minute das perfekte Outfit: Ein schwarzes Satinkleid, natürlich mini, mit pinken Ornamenten drauf. Es hat Neckholder-Träger, einen V-Ausschnitt, und geht wunderschön flatternd unter dem Brustband in A-Form auseinander! Die perfekten Schuhe dazu stehen sogar gleich in der Nähe: pinke Sandaletten mit Strass-Steinchen drauf! Und am Absatz natürlich auch noch ein riesiger solcher Stein. Und die Tasche ist ebenfalls genau mit diesen Steinen besetzt und pink! Es ist eine wunderbare Clutch, genau so eine, wie mir noch in meiner ungefähr 75 Taschen umfassenden Sammlung fehlt. Ich probiere die Sachen an und komme schon gleich darauf: Sie sind wie für mich gemacht! Chase findet sie auch schön, scheint sich aber zu fragen, wieso ich ausgerechnet das Erstbeste kaufen will. „Hey, diese Sachen sind perfekt, wie speziell für mich gemacht! Und wenn ich was schöneres finde, kaufe ich das eben auch. Was ist denn da schon dabei?“ Mit diesem Satz beende ich sein Zweifeln und lege meine Kreditkarte hin.

Zwei Geschäfte weiter kommen wir zu Chanel, dort kaufe ich mir einen Pencil-Skirt mit Knöpfen, eben so ein angesagter, in schwarz-weiß, und eine knallpinke Kurzarmbluse dazu. Bei Louis Vuitton finde ich schließlich weiße Pumps mit pinkem Spitzenbesatz und bei Escada wird es eine weiße XXL-Lederbag, natürlich mit pinken abstrakten Mustern drauf. Dann geht es natürlich noch weiter. Am Ende unserer schönen Shoppingtour hat Chase keine freie Hand mehr, da er mir alle meine Taschen tragen muss, meine Kreditkarte glüht schon fast, und ich bin letzten Endes um 2 Kleider, 3 Röcke, 4 Shirts, eine Bluse, 4 Paar Schuhe und 4 Taschen reicher. Zum Schluss will ich aber unbedingt noch zu Chopard, wo ich auch noch 3 Paar Ohrringe, 2 Ketten, 3 Armbänder und einen Ring finde. Chase lässt sich in der Zwischenzeit auch noch beraten, und kauft sich eine Uhr.

Jetzt sind wir endlich fertig mit unserem Shoppingtrip, Chase hat sich dann doch noch 3 Hosen, 2 Paar Schuhe, 3 Hemden und 3 Sakkos gekauft. Wir winken uns ein Taxi an, in das wir einsteigen, und fahren zurück ins Hilton. Mittlerweile ist es schon fast 19 Uhr, wir richten uns für das Abendessen im Hotel. Ich ziehe natürlich eines meiner neuen Kleider, ein Weißes mit Spitzenbesatz, und meine weiß-pinken Pumps an. Dazu trage ich noch eine weiß-pinke Clutch, die ich ebenfalls heute gekauft habe. Chase trägt einen ganz schlichten schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd und einer schwarzen Krawatte dazu.

Der Abend vergeht schnell, es ist trotzdem erst 11 Uhr, als wir zurück ins Hotelzimmer kommen, total geschafft von dem stressigen Tag. „Ich freu mich wirklich, hier mit dir zu sein!“, vernehme ich aus Chases Mund. Gemeinsam liegen wir in dem schönen Himmelbett, ich in seinen Armen. Wir schauen noch ein wenig TV, aber ich schlafe schon nach nur wenigen Minuten ein.

Am nächsten Morgen wachen wir beide erst um 13 Uhr auf, besser gesagt, ich wache auf. „Chase, wir haben das Frühstück verschlafen!“ Das hat er natürlich gehört, so verfressen wie er ist. „Verdammt! Haben die Bäckereien oder so noch geöffnet?“ – „Nein, es ist ein Uhr. Wir können eigentlich nur Mittag essen gehen.“ Er verzieht zuerst den Mund, immerhin hätte er wirklich gerne ein Crossaint gegessen. Aber das kann er für heute wohl vergessen. Fast schon gehässig grinse ich, er weiß schließlich, dass ich nicht unbedingt zu frühstücken brauche. „Das ist echt unfair!“, jammert er und dreht sich wieder um. „Ich schlafe jetzt, bis es wieder frische Crossaints gibt!“. Ich denke mir „schön für ihn“, und ziehe mich an, schminke mich und stecke mir die Haare halbwegs schön hinauf. Eine knappe Stunde später gehe ich aus dem Zimmer und mache einen kleinen Spaziergang durch die Straßen von Paris.

Nach einem knappen Kilometer komme ich erstaunlicherweise zu einer Bäckerei, die noch geöffnet hat! Ich denke selbstverständlich gleich an Chase, der sich über einen Crossaint bestimmt freuen würde. Dann gehe ich halt mal hinein und stelle fest, dass die Backwaren sogar erst gerade aus dem Ofen kommen. Allerdings habe ich riesige Probleme mit der Sprache... „ähm... deux...Crossaints? s’il vouz plait ?“, versuche ich, mit der Sprache zurecht zu kommen. Zum Glück versteht die Frau am Tresen mich und packt mir das Gewünschte ein! Glücklich nehme ich die Papiertüte, bezahle noch schnell und hüpfe fröhlich zurück ins Restaurant. 10 Minuten später bin ich endlich da, Chase schläft immer noch, ich halte ihm deshalb die Crossaints vor die Nase und warte ab, ob er es kapiert. Aber er schläft immer noch, also fange ich an, zu Essen, irgendwann in der Hälfte wacht er von meinem Rascheln mit dem Gebäck auf und springt zu mir her. „Du hast eine offene Bäckerei gefunden!!!“ Ich grinse nur und halte ihm das Papiertäschchen hin. „Tja, ich war ein Bisschen spazieren, da hab’ ich eben die Bäckerei gefunden.“

Noch am gleichen Abend gehen wir wieder essen, aber dieses mal will Chase mich überraschen. Ich bin gespannt mit was, denn er hat mir am Nachmittag erzählt, ich solle mich nicht zu schick anziehen: „Weißt du, vielleicht ziehst du einfach eine Jeans und ein Shirt an?“ Daraufhin habe ich ihn natürlich verwundert angeschaut – normalerweise bin ich noble Restaurants und exklusive Hotels von ihm gewöhnt. Jetzt mache ich mich auf jeden Fall für den Abend fertig, den Rat von meinem Mann habe ich schlussendlich befolgt: ich trage eine helle Röhrenjeans, ein pink-lila gemustertes T-Shirt und lila Pumps. Die durften einfach nicht fehlen. Bei der Wahl meiner Tasche habe ich mich dafür etwas mehr zurückgehalten: Heute nehme ich eine schwarze Ledertasche mit, so ziemlich die einzige meiner über 50 Taschen, die schwarz ist. Es ist eine mittelgroße mit einer ebenfalls schwarzen Masche daran.

Jetzt ist es acht Uhr, ich verlasse das Zimmer, da Chase mich vor dem Hotel erwarten wollte. Er war den Nachmittag über weg, scheinbar wollte er noch etwas planen. Ich betrete den Lift und fahre die 8 Stockwerke hinunter, ziemlich schnell, da der Lift nirgends stehen bleibt. Unten angekommen werde ich schon direkt in der Lobby von ihm erwartet. „Zum Glück hast du auf mich gehört!“, ist das Erste, das ich von ihm zu hören bekomme. Ich schaue ihn schon ein wenig beleidigt an, da gibt er mir schon einen Kuss auf den Mund.

Wir sitzen nun schon seit einer halben Stunde in dem Taxi, das Chase organisiert hat, der Taxometer ist schon bei 47 Euro, langsam frage ich mich wirklich, ob es nicht günstiger gewesen wäre, einen BMW zu mieten. Doch dieses Mal schweige ich lieber, mit der Zeit kann ich schließlich ziemlich nerven. Stattdessen frage ich nur: „Wann sind wir eigentlich da?“ Er sieht mich an. „Was wäre, wenn ich dir erzählen würde, dass wir in ein anderes Land fahren?“ Jetzt bin ich wirklich perplex: „Ein anderes Land? Das ist jetzt aber nicht echt dein Ernst!“ – „Nein, natürlich nicht. War doch nur ein Scherz. Wir sind in ungefähr fünf oder sechs Minuten da.“ Ja, es wäre wirklich um einiges billiger gewesen, den BMW, vielleicht ein Cabrio, wie ich es immer wollte, zu mieten. Doch die Fahrt dauert wirklich nur noch knappe fünf Minuten. Jetzt sind wir da, bei einem kleinen See. Ich verstehe die ganze Sache nicht ganz, steige aber trotzdem aus. Ehe ich auch nur anfangen kann zu fragen, bindet Chase mir eine Augenbinde um und führt mich irgendwo durchs Gras – was im Übrigen gar nicht so einfach ist, da ich Bleistiftabsätze an den Schuhen habe. „Warte mal kurz!“, rufe ich, bleibe stehen und ziehe schnell die Pumps aus, die ich jetzt doch lieber in den Händen mit mir durch die Gegend trage. „Ja, da wären Turnschuhe oder Ballerinas nicht schlecht gewesen, hm?“, fragt er mich. Wir gehen weiter, ich habe allerdings keine Ahnung, wo ich da gerade hingeführt werde.

Kurze Zeit später habe ich eine Ahnung, als mir die Augenbinde abgenommen wird: Wir stehen vor einer großen Decke, darauf ist noch ein Korb, der allerdings gerade erst da hin gestellt worden zu sein scheint. „Ich dachte mir, als Abwechslung zu unserem ewigen Restaurant-Leben wäre doch ein Picknick in der Natur mal etwas schönes“, ist Chases Erklärung. Das ganze finde ich natürlich ziemlich witzig, da es wirklich nur belegte Brötchen gibt. Denkt man sich zumindest auf den ersten Blick, denn als ich die Brote aufklappe, um nachzusehen, ob Butter, gegen den ich allergisch bin, drin ist, liegen da Sachen wie Lachs, eine teure, dazupassende Sauce und andere nicht billige Sachen. „Meinst du etwa, ich wüsste nicht, gegen was du allergisch bist?“, sieht Chase mich doch etwas verwundert an, so als hätte ich gerade gesagt, er wüsste meinen Namen nicht. Wir essen die Brötchen noch zusammen, als wir dann fertig sind, kommt noch etwas aus dem Korb zum Vorschein: eine sehr exklusive, nicht wirklich in Massen produzierte, Flasche besten Proseccos. Er schenkt mir ein und wir stoßen an. „Cheers!“, ertönt es, kurz danach hört man noch den Aufprall der Gläser und kurz danach ist schon einiges von dem guten Alkohol verschwunden.

Nachdem wir die ganze Flasche leer getrunken haben, hat Chase plötzlich die dämliche Idee, im See, der gleich neben unserer Picknick-Wiese ist, baden zu gehen. „Nein! Das Wasser ist bestimmt extrem kalt und da schwimmen ganz bestimmt Fische drin!“, versuche ich mich rauszureden, aber bevor ich sonst etwas tun kann, ist er schon aufgestanden und trägt mich über seiner Schulter ins Wasser. Das Wasser wird nicht wirklich schnell tief, aber der Boden scheint sehr uneben zu sein, denn bereits als das Wasser Chase erst zu den Knien geht, stolpert er und wir beide liegen voll im See. Jetzt ist das schöne Shirt doch noch nass geworden! „Wenigstens habe ich doch noch die wasserfeste Schminke verwendet“, denke ich mir, lache aber über die Situation und bespritze ihn mit Wasser.

Nach ca. einer halben Stunde liegen wir wieder auf der Decke, die nasse Kleidung noch am Körper. „So transportiert uns jetzt aber bestimmt keine Taxi mehr?“, frage ich. – „Naja, dann werden wir wohl über Nacht hier bleiben müssen!“ – „Auf gar keinen Fall! Eher laufe ich noch zurück ins Hotel oder suche mir was anderes für die Nacht!“ – „Du denkst jetzt aber nicht wirklich, ich hätte das alles nicht organisiert?“, lächelt er schließlich und zieht mich auf die Beine. Er geht ein kleines Stück, da steht ein wunderschöner 6er-Cabrio von BMW. Einfach genau so einer, wie ich mir damals eigentlich kaufen wollte! „Weißt du, ich habe mir gedacht, ich schenke dir noch etwas zur Hochzeit... nach den Flitterwochen können wir damit zu meiner Hütte in Gstaad fahren, wenn du Lust hast. Der Transport in die USA ist schon organisiert und das Auto ist auch schon für dort angemeldet. Er gehört dir!“, erklärt Chase mir. Ich komme aus dem Staunen einfach nicht mehr raus, vor allem, weil das Auto auch noch pink ist! Und es hat 300 PS. Das ist einfach der Traum einer jeden Frau. Oder zumindest meiner...

So ähnlich vergehen auch die nächsten 4 Tage, wir kommen jedoch im Gegensatz zu den ersten 3 nicht mehr aus dem Hotelzimmer, da wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Der Zimmerservice ist natürlich über das großzügige Trinkgeld sehr erfreut gewesen, was man spätestens auch am zweiten Tag unseres Zimmer-Aufenthaltes gemerkt hat. Das Essen war nämlich schneller auf dem Zimmer als bei manch Anderen. Und ich finde, es war sogar noch besser als sonst.

Jetzt reisen wir aber ab. Die Koffer sind schon gepackt, Chase trägt sie wieder mal runter und bezahlt noch die Rechnung. In der Zwischenzeit schiebe ich das Gepäck weiter zu meinem Cabrio. Ich habe nur Glück, dass das Auto so einen riesigen Kofferraum hat, denn sonst würde ich die vier Koffer da niemals reinbringen! Gemütlich hieve ich einen nach dem anderen ins Auto, als Chase raus kommt: „Svenja, du weißt dass ich das machen wollte! Du sollst dich doch nicht mit Sachen abgeben, die andere für dich erledigen könnten!“ Er schüttelt den Kopf und will sich auf die Fahrerseite setzten, als ich ihm dazwischen komme: „Und du weißt ganz genau, dass es mir nichts ausmacht. Ich fahre!“ Erst will er mir das mit dem Fahren natürlich ausreden, doch dann lässt er mich doch ans Steuer.


11

Wir sitzen im Auto, das Dach ist natürlich nach unten geklappt, immerhin ist es ein wunderschöner Septembertag, es hat über 20 Grad. Die Fahrt dauert nun schon fast drei Stunden, in denen wir sicher schon drei- wenn nicht sogar viermal stehen geblieben sind. Meistens war es, weil ich Durst hatte, oder wegen des vielen Trinkens auf die Toilette musste. Jetzt sind wir allerdings schon über die Grenze und steuern Gstaad an. „Mir wird langsam schon ein bisschen kalt“, meine ich, als wir immer höher ins Gebirge kommen. Chase stimmt mir zu, wir fahren bei der nächsten Ausfahrt hinaus und holen unsere Jacken aus dem Kofferraum. Ich trage natürlich meine schöne neue Lederjacke von Louis Vuitton, natürlich mal wieder in pink. Es ist nun schon fast drei Uhr, als ich Chase frage: „Willst du die letzten paar Kilometer ans Steuer? Ich weiß, wie gerne du doch fahren würdest.“ Er sieht mich glücklich an, ähnlich wie ein Kind, dem man gerade gesagt hat, es kriegt sein Leben lang gratis Lutscher, dann wechseln wir die Seiten und setzen uns wieder ins Auto, woraufhin wir auch gleich schon losfahren. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen, sowie die hohen Strafen in der Schweiz für zu schnelles Fahren scheinen Chase aber ziemlich egal zu sein, wir sind gerade auf einer langen Gerade, da drückt er nur auf den Kick-Down, der in vier Sekunden von 100 auf 190 km/h beschleunigt. „Die Strafe dafür zahlst aber du!“, rufe ich schon fast, weil der Wind uns nur so um die Ohren fliegt. „Mach dir da mal keine Sorgen.“, erwidert er gelassen und beschleunigt nun noch mehr. Wir sind schon über dem 200er angekommen, langsam geht er runter vom Gas und fährt in der Geschwindigkeit weiter.

Ungefähr eine Viertel Stunde später sind wir in Gstaad angekommen, irgendwie ist es hier ziemlich kalt, es hat laut dem Thermometer im Auto nur 13 Grad. Ich schaue kurz auf meine Füße, da ich nur Sandaletten trage und beschließe dann, mir als erstes Stiefel oder ähnliches aus meinem Koffer zu fischen.

Jetzt stehen wir vor seiner Hütte, die eigentlich eher an ein Haus erinnert. Als wir reinkommen, finde ich als erstes ein extrem großzügig eingerichtetes Wohnzimmer vor, mit Flachbildfernseher, einem weinroten Sofa und einem Kamin. Daneben ist eine wirklich moderne Küche, doch bei Chase kann man sich eher vorstellen, dass er die nicht oft verwendet. Nicht schlecht staune ich auch, als ich in das Badezimmer komme, es ist wunderschön und vor allem eines: groß! Die Dusche hat einen Duschstrahl von der Decke herunter, den man sogar in der Größe verstellen kann. Es ist wirklich exklusiv eingerichtet. Als ich das Schlafzimmer nun betrete, komme ich aus dem Staunen wirklich nicht mehr hinaus: Ein wunderschönes Himmelbett in Herzform! Ein riesiger Kleiderschrank steht auch noch darin, eine wunderschöne Soundanlage und das Beste: das Bett ist auch noch beheizbar an den Rändern! In diese Hütte habe ich mich wirklich sofort verliebt. „Hier halte ich es wirklich lange aus! Auch ohne Louis und Coco!“, quietsche ich und springe Chase in die Arme. „Das hab ich mir schon fast gedacht“, erwidert er darauf.

Wir liegen gemeinsam auf das Bett, schalten die Heizung an und zappen am Fernseher herum. Bei einer Folge von Sex and the City. Als Carrie gerade zu Mr. Big geht, meint Chase: „Was findet ihr Frauen bloß alle an dem?“ – „Nun ja... er ist charmant, hat Geld, irgendwie ist er auch sexy. Natürlich nichts im Vergleich zu dir.“ Wir beginnen, uns zu küssen, woraufhin wir natürlich mal wieder miteinander schlafen. Danach schlafen wir allerdings beide ein.

Am nächsten Morgen wachen wir schon früh auf, es ist erst 7 Uhr, als wir ziemlich gleichzeitig aufwachen. „Hast du Lust auf Frühstück?“, fragt Chase mich. – „Aber wir haben doch gar nichts im Kühlschrank. Oder hast du etwa Tiefkühlwaren gebunkert?“ – „Nein. Nun ja... die nächste Bäckerei ist drei Kilometer entfernt...“ – „Ich hab’ ne Idee!“, in dem Moment springe ich auf. „Wir könnten uns sportlich betätigen und zu der Bäckerei joggen, dort was holen, wieder zurück joggen und dann frühstücken! Dann haben wir ein Workout und Frühstück in Einem!“ Chase nickt und steht ebenfalls auf. Etwa eine viertel Stunde später sind wir beide fertig, ich in einen dicken pinken Burton-Pulli eingepackt, damit ich nicht erfriere. „Warum schleppst du den bitte mit dir rum? Du wusstest doch gar nicht, dass wir in die Schweiz fahren würden?“, wundert er sich. Ich kläre ihn daraufhin auf: „Ich hab immer einen solchen Pulli in der Tasche, für den Fall dass es kalt wird. Du weißt ja, ich bin leicht verfroren.“

Jetzt joggen wir aus dem Haus, ich bin leicht vor ihm, aber nach ungefähr fünf Minuten holt er mich auf. Die restliche viertel Stunde joggen wir Seite an Seite, aber ohne ein Wort zu sagen. Irgendwie hatten wir schon zu lange kein Workout mehr. Nach insgesamt 20 Minuten kommen wir endlich bei der niedlichen Bäckerei, aus der es schon sehr frisch riecht, an. Dort bestellen wir einen Coffee2go und kaufen noch ein bisschen Gebäck, also Kuchen, Brot und Brötchen. „Warte du doch schon mal draußen, ich zahle noch schnell.“, befiehlt Chase mir. Also tue ich wie er mir gesagt hat und warte mit dem ganzen Zeug, das ich noch schnell in den Rucksack, den ich auch noch mitgenommen habe, stopfe, den Kaffee nehme ich in die Hand und beginne schon mal zu trinken.

Kurz danach kommt Chase hinaus, mit einem Karton, in dem noch etwas drinnen ist. Leider finde ich nicht hinaus, was es ist und er will es mir auch nicht sagen. „Bitte... jetzt komm schon! Ich erfahre es doch sowieso...“, stichle ich herum. – „Das wirst du noch früh genug erfahren. Wirklich.“ Also joggen wir zurück, ich mit dem Rucksack und den Kaffeebechern, Chase hat diesen seltsamen Karton in der Hand. Mit den ganzen Sachen sind wir irgendwie viel langsamer, für den Rückweg brauchen wir fast 25 Minuten. Doch dann kommen wir endlich an, schon halb verschwitzt aber mit viel Freude auf das immer noch wohlriechende Frühstück. Chase nimmt den Schlüssel aus der Hosentasche und sperrt die Tür auf, danach gehen wir hinein und ich stelle den Kaffee auf den Tisch, daneben räume ich den Rucksack aus. „Wollen wir nicht erst noch duschen?“, fragt er mich nun, als auch er endlich beim Tisch angekommen ist. Dem stimme ich zu, wir gehen zusammen in die wirklich geräumige, luxuriöse Dusche und waschen noch schnell den Schweiß herunter. Dabei können wir es natürlich einmal wieder nicht lassen: Wir schlafen sogar in der Dusche miteinander, diesmal aber ziemlich kurz, weil wir extrem hungrig sind. Nach weiteren 20 Minuten kommen wir hinaus, ich trage jetzt einen wunderschönen, pinken Plüschbademantel. Die Haare habe ich noch im Handtuch eingewickelt, sie sollen schon mal langsam trocknen, aber ich will mich lieber nicht erkälten.

Endlich sitzen wir gemeinsam am Tisch, mit Buttelgipfeln und Honig in der Hand. Dazu trinken wir den mittlerweile fast kalten Kaffee. „Wir werden wirklich nie wieder Kaffee mitnehmen, den wir erst eine halbe Stunde danach zum Trinken kommen.“, rege ich mich in einem sarkastischen Ton auf. Mein Mann stimmt mir zu und nimmt noch einen großen Bissen von seinem Brötchen. „Wie lange sollen wir eigentlich hier bleiben? Nur damit wir langsam mal einen Flug buchen können“, erkundigt er sich. – „Weiß nicht... vielleicht eine Woche oder so?“ – „Gut. Dann gehe ich morgen gleich mal ins Reisebüro.“ – „OK. Gibt es hier in Gstaad eigentlich auch irgendwo Supermärkte, die am Wochenende geöffnet haben? Oder gehen wir heute einfach essen?“ – „Nein, leider nicht. Der Supermarkt hat nur von Montag bis Samstag offen, wir sind hier nun mal nicht in Amerika. Hier gibt es diese tollen 24/7 Stores eben nicht.“ - „Tja, dann eben nicht. Und mit Boutiquen, ist es da das gleiche?“ – „Ja, leider. Die haben noch dämlichere Öffnungszeiten. Samstag ist da geschlossen. Aber wir können... nun ja, Gstaad am Sonntag ist schon etwas langweilig. Da kann man eigentlich nur essen gehen, einen kleinen Ausflug zum Skigebiet machen, Zuhause bleiben, so Zeug eben.“ – „Gut. Und auf was hast du heute Lust?“ – „Mir ist es wirklich egal. Such du dir doch einfach etwas aus.“ – „Hm... wir könnten doch nachher dort zum Skigebiet laufen, da oben gibt es bestimmt ein hübsches Restaurant oder so, dort könnten wir zu Mittag essen, dann irgendwann wieder zurücklaufen und uns dann hier einen gemütlichen Filmabend oder so machen. Was hältst du davon?“ – „Das klingt super! Und ja, es gibt Restaurants, die im September offen sind.“

Nachdem wir gemütlich gefrühstückt haben, ziehen wir uns an. Ich trage erstaunlicherweise eine helle Röhrenjeans mit noch hellerer Waschung, dazu typisch für mich ein schwarz-pinkes Top mit einer pinken Jacke darüber. Das ungewöhnlichste ist aber: ich trage Ankleboots ohne Absätze! Es sind natürlich schwarze aus mattem Leder. Die trage ich nicht so oft, deshalb wollte ich, dass sie überall dazu passen. Chase hat eine eher dunkle Jeans mit einem schwarzem Hemd und einer Jacke darüber an, dazu seine typischen italienischen Designerschuhe.

Jetzt laufen wir los, der Weg geht ziemlich steil hinauf. Dennoch schaffen wir es in einer knappen Stunde, endlich kommen wir bei dem Restaurant an. Ziemlich schnell finden wir einen passenden Sitzplatz, auf der Terrasse der schicken Hütte. Der Service hier scheint wirklich gut zu sein, kaum dass wir uns hingesetzt haben, kommt schon eine Bedienung und fragt uns, was wir essen und trinken wollen. „Für mich ein Bier“, antworte ich. Chase nimmt das Gleiche und bestellt noch die Speisekarte. „Dann haben wir eine am Tisch und müssen nicht lange darauf warten“, begründet er es. Ich glaube aber, er hat schon wieder Hunger.

Wenige Minuten später kommen das Bier, frisch gezapftes Paulaner aus München, und die Speisekarte. „Dann Prost!“ Wir trinken einen großen Schluck und wenige Sekunden danach wird mir bewusst: Ich will auf die Wiesn! „Hey, Chase? Ich habe eine super Idee!” – „Ahja? Was für eine denn?“ – „Was wäre, wenn wir noch bis... Freitag Nachmittag oder so hier bleiben und dann für zwei Tage aufs Oktoberfest in München fahren? Wir könnten uns dort wieder mal ein Hotel nehmen, also zum Beispiel Freitag am Morgen losfahren. Dann noch etwas ausruhen und am Samstag geht’s los?“ – „Das ist echt genial! So machen wir das. Und ich rufe in der Zwischenzeit eine gute deutsche Airline an, damit wir am Montag nach Hause fliegen können.“ Wir stoßen noch mal darauf an und trinken unser Bier weiter.

Es dauert nur eine halbe Stunde, bis Chase endlich das schon lange geahnte zugibt: „Ich habe Hunger... willst du auch was essen?“ – „Nun ja, wenn du schon was bestellst. Dann nehme ich eben auch was. Gib mal die Karte her!“ Ich nehme die Karte und stelle schon gleich fest: „Die Karte ist auf französisch geschrieben?“ – „Ja, wir sind ja auch in der französischen Schweiz. Da kann’s schon mal vorkommen, dass etwas nicht englisch oder deutsch oder sonst irgendwie geschrieben ist. Soll ich es dir übersetzen?“ – „Ja. Aber warum sprechen dann die Leute hier so gut deutsch?“ – „Das können die. Also hier steht... ich übersetze dir aber nur das, von dem ich weiß, dass du es essen würdest... Kalbsragout Zürcher Art,...“ Nachdem er fast fünf Minuten die Speisekarte so gut es ging übersetzt hat, entscheide ich mich für das Lachsfilet mit der Krebs-Creme-Sauce. Chase ordert das Ganze, für sich nimmt er Hirschfilet nach Art des Hauses. „Was genau ist eigentlich mit Art des Hauses gemeint?“, will ich schließlich wissen. „Das ist eigentlich immer etwas anderes. Und sie ändern das auch ziemlich oft, also habe ich selbst keine Ahnung. Aber wenn es dann da ist, kann ich dir sagen, was genau damit gemeint ist. In welches Hotel willst du eigentlich dann in München?“ – „Ich weiß nicht. Hast du irgendwelche guten Vorschläge? Ich habe eben noch nie dort übernachtet. Eigentlich war ich immer nur einen Tag dort, wenn überhaupt.“ – „Na ja, das 4 Seasons Munich ist ganz gut. Ich war dort mal ganz kurz, nichts wichtiges. Aber es ist luxuriös und vor allem nicht so extrem weit weg von der Theresienwiese.“ – „Theresienwiese?“ – „Du willst aufs Oktoberfest, hast aber keine Ahnung was die Theresienwiese ist?“ – „Nein!“ – „Das ist der Ort, an dem das ganze Zeug steht. Eigentlich keine Wiese, aber es war mal eine.“ – „Achso.“

Jetzt kommt unser Essen, wenn es nur halb so gut schmeckt wie es aussieht, würde ich auf jeden Fall wieder hier her kommen. Ich beiße hinein, ja es schmeckt noch besser als ich mir denken hätte können! „Schmeckt deins auch so gut?“ – „Kommt drauf an, wie gut deines schmeckt?“ – „Fantastisch!“ – „Ja. Das hätte ich dir auch so sagen können. Hier schmeckt schließlich alles hervorragend.“

Mittlerweile ist es schon fast 20 Uhr. Wir bezahlen noch schnell und gehen langsam den Berg hinunter. „Sag mal, hast du noch Lust auf einen Abstecher in ein kleines Lokal?“, fragt Chase mich. „Ja, sicher. Was für ein Lokal ist das, von dem du sprichst?“ – „Nichts besonderes, nur so eine Art Pub.“ Ich stimme ihm lächelnd zu, mittlerweile gehen wir bereits den letzten Hügel hinunter.

Jetzt habe ich keine Ahnung mehr, wo wir sind, aber nicht nur weil ich die Stadt nicht kenne, es ist verdammt dunkel geworden. Zum Glück kennt Chase die Umgebung so gut, er führt mich zu der kleinen Bar, die wir auch gleich betreten. Schnell wird mir klar: Chase scheint die Menschen hier wirklich gut zu kennen, so wie die sich begrüßen. Er stellt mich ihnen vor: „Das ist meine Frau, Svenja. Schatz? Das sind Dirk, Heinz und Joe. Ich kenne sie schon seit ich 15 bin. Wir haben echt schon viel erlebt.“ Die vier Männer fangen an zu lachen, es scheint als hätten sie wirklich viel dummes Zeug angestellt. Wir setzen uns an die Bar, worauf natürlich die Frage, was wir trinken wollen, folgt. „Ich nehme ein Bacardi Cola, was willst du , Svenja?“ – „Ähm.. ich nehme einen Tequila.“ Chases Freunde starren mich an, als würde man von mir nicht erwarten, dass ich so hartes Zeug trinken kann. „Sie wollen wirklich einen Tequila? Haben Sie so etwas eigentlich schon mal so was getrunken?“, fragt Joe mich. „Wollen wir ein Wetttrinken machen?“, fordere ich ihn auf. „Gerne. Was ist der Einsatz?“, will er wissen. „Nun, wie wäre es mit 100 Franken?“ – „Gut. Dann für mich auch einen. Und stell gleich die Flasche, Zitronenscheiben und den Salzstreuer dazu. Wir rechnen dann später ab.“ Jetzt wendet er sich mir zu: „Der Verlierer bezahlt das Trinken.“ Ich nicke, dann stoßen wir an.

Nach 16 Tequilas sitze ich immer noch gerade auf dem Hocker und bin ziemlich nüchtern, Joe hingegen fällt mittlerweile auf den Boden. Ein dumpfer Knall ertönt, ich stehe auf, um zu sehen, ob es ihm gut geht. „Ge-eht schooo“, lallt er und steht wieder auf, kann aber nicht gerade stehen. Ich hole ihm schnell einen Stuhl, auf den er sich setzen kann und frage: „Willst du noch weiter machen oder gibst du zu, dass ich gewonnen habe?“ Bevor er aber irgendetwas sagen kann, kippt er ganz weg.

Chase kommt wieder her: „Ich hätte nicht gedacht, dass du so viel trinken kannst?!“ – „Tja, wir Spanierinnen können einfach viel vertragen. Ich hab schon mit 20 einige Trinkwettbewerbe gewonnen.“ Ich lächle ihn kurz an, wende mich dem Kellner zu und bestelle noch einen Piña Colada. Die kommt wirklich schnell, ich habe selten jemanden so schnell Cocktails mixen sehen. Den trinke ich noch schnell, Chase ist mittlerweile auch mit seinen Bacardi Colas fertig. „Wollen wir nach Hause?“, auch er lallt schon. Irgendwie scheine ich hier diejenige zu sein, die am meisten Alkohol verträgt. Ich nehme meine Geldtasche aus der Handtasche und gebe dem Barkeeper einen Hunderter. Kurz darauf kriege ich noch mein Retourgeld, nehme meine Tasche und zerre Chase schon fast hinter mir her. „Du kannst nicht mal mehr gerade laufen, wie soll ich dich dann los lassen?“, frage ich, nachdem er sich gewehrt hat, dass ich ihn unter der Schulter packe. „Bitte Svenja! Es geht doch....“, mehr kommt nicht mehr, schlussendlich kippt er auf die andere Seite. Ich kann einfach nicht anders, als anzufangen, laut los zu lachen: „Ach komm schon! Wir sind schon vor der Haustüre!“ Ich rapple ihn wieder auf, nehme ihn wieder an der Hand und sperre die Hütte auf. Als wir in dem hübschen Gebäude sind, lege ich ihn ins Bett, schminke mich noch kurz ab und putze mir die Zähne, dann gehe auch ich schlafen.

27.10.08 08:55
 


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